Rundbrief 20, Dezember 1997ROG Homepage
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Kuba:

ROG-Menschenrechtspreis 1997 für Raúl Rivero
Kubas andere Stimme

Am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte, verliehen Reporter ohne Grenzen/Fondation de France ihren mit rund 15.000 DM dotierten Menschenrechtspreis an den kubanischen Journalisten Raúl Rivero. Seit 1992 werden damit mutige Journalistinnen und Journalisten ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise für die Pressefreiheit in ihrem Land einsetzen. Der kubanische Schriftsteller Eduardo Manet nahm den Preis für ihn in Paris entgegen, da Raúl Rivero fürchtete, nicht wieder nach Kuba einreisen zu dürfen.

Ein Portrait des diesjährigen Preisträgers

"Ein Märchenzirkus,der von einem Land erzählt,das es gar nicht gibt."
Raúl Rivero über die offizielle Presse Kubas

Raúl Rivero, geboren 1945 im zentralkubanischen Morrón, war 1969 einer von 21 durch die Kommunistische Partei Kubas handverlesenen Absolventen der Journalismus-Fakultät von Havanna. 1966 hatte er bereits die kritische Kulturzeitschrift Caiman Barbudo mitbegründet. Von 1973 bis '76 arbeitete er als Korrespondent der staatlichen Nachrichtenagentur Prensa Latina in Moskau. Nach seiner Rückkehr leitete er deren Ressort "Wissenschaft und Kultur".

Heute ist Rivero einer der führenden Köpfe der unabhängigen Presse in seinem Land. 1989 trat er aus dem kubanischen Schriftstellerverband aus, zwei Jahre später unterzeichnete er den "Brief der zehn Intellektuellen", die von Staatschef Fidel Castro die Freilassung politischer Gefangener forderten. Als einziger der Unterzeichner lebt Rivero noch heute in Kuba. Der vom Regime erzwungenen Alternative"Exil oder Gefängnis" konnte er sich bislang entziehen, doch in einem Land, in dem man selbst Schreibmaschinen registrieren lassen muß, wird jeder Versuch, Presse- und Informationsfreiheit durchzusetzen, zum unkalkulierbaren Wagnis. Seitdem er 1995 die unabhängige Nachrichtenagentur Cuba Press gründete, sieht er sich ständig zunehmenden Repressalien ausgesetzt. "Spontanen" Demonstrationen vor seinem Haus folgten Verhöre, Hausdurchsuchungen, Verhaftungen. Auch als Schriftsteller hat sich Rivero einen Namen gemacht: Wurden seine Bücher früher mit nationalen Preisen ausgezeichnet, müssen sie heute in den USA veröffentlicht werden und sind in Kuba verboten. Der aktuelle Länderbericht zur Pressefreiheit in Kuba ist in der Geschäftsstelle erhältlich.

Der Menschenrechtspreis von Reporters sans Frontières/Fondation de France wird seit 1992 alljährlich von einer internationalen Jury vergeben. Aus der deutschen Sektion waren 1997 Sabine Rollberg, Manfred Bissinger und Sabine Christiansen vertreten.

Bisherige Preisträger:

Zlatko Dizdarevic (Bosnien)
Wang Juntao (China)
André Sibomana (Ruanda)
Christine Anyanwu (Nigeria)
Isik Yurtçu (Türkei)

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