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Rundbrief Nr. 3 Dezember 1994

ROG

Interview mit Robert Menard

Der Mitbegründer von Reporters sans frontières stellte sich den Fragen der Mitglieder der deutschen Sektion.

Nach einem kurzen Bericht von Robert Menard, in seinem Amt als Direktor des Internationalen Sekretariats, nutzten die Mitglieder die Mitgliederversammlung dazu. einige Fragen zu stellen.

Robert Menard: Reporters sans frontières ist seit neun Jahren in Frankreich tätig, heute auch im francophonen Bereich der Schweiz, in Belgien und Spanien. RSF ist an dem Punkt angekommen, an dem eingesehen wird, daß die Organisation internationaler werden muß. Wir müssen sehen, wie wir mit unterschiedlichen Kulturen umgehen und so die Organisation weiterentwickeln können.

Das Sekretariat der französischen Sektion und Internationale Sekretariat sind mehr oder minder identisch, deshalb dominiert noch die französische Sektion. Es ist deshalb notig, daß internationale Exekutivkomitee zu stärken, damit die Mitglieder aus den anderen Ländern auch merken, daß sie mitentscheiden. Das Budget von RSF liegt zwischen 2-3 Millionen DM jährlich, nicht darin enthalten sind die Mittel für besondere Aktionen wie zum Beispiel in Ruanda. Die Finanzierung kommt aus drei Säulen:

  1. eigene Resourcen, Verkauf des Jahresberichts, Mitgliedsbeiträge von Journalisten und Presseorganisationen

  2. Sponsoren, d.h. die "Freunde von RSF", einem Club von 15 Unternehmen, die nicht in der Presselandschaft angesiedelt sind,

  3. internationale Organisationen (EU, UNO, Unesco, internationale Stiftungen).


Was kann das internationale Sekretariat für uns tun?

In Paris wird monatlich ein Rundbrief in französischer Sprache herausgegeben. Alle 3 Monate erscheint einer in Spanisch und Englisch. Es gibt einen Jahresbericht in Englisch und Französisch. Nächstes Jahr soll er auch in Spanisch und Arabisch erscheinen. RSF interveniert 250 bis 300 mal im Jahr, um Journalisten und Presseorgane gegen Unterdrückung zu verteidigen. Das Sekretariat organisiert 50 Reisen pro Jahr in Lander, in denen die Situation der Pressefreiheit besonders untersucht werden muß, liefert Informationen über verhaftete Journalisten. Ein großer Teil der Arbeit besteht darin, Anfragen von Journalisten zu beantworten, die in diese Länder fahren wollen. Das Sekretariat stellt Kampagnen vor, wie z.B. die am 3. Mai, dem Tag der Pressefreiheit.

Was wird von den nationalen Sektionen erwartet?

Zwei Dinge. Erstens sollen die Sektionen als Vermittler fur die Kampagnen gelten, die RSF startet. Zweitens erwarten wir, daß auch eigene Aktionen gestartet werden. Zum Beispiel haben wir Gelder von der Europäischen Gemeinschaft bekommen, um ein Korrespondenten-Netz in Osteuropa, besonders in den GUS-Ländern aufzubauen. Es ist sehr wichtig, daß deutsche Journalisten an dieser Aktion teilnehmen. Ein ähnliches Netz besteht schon fur andere Lander. 65 Korrespondenten, die von RSF bezahlt werden, arbeiten bereits in der ganzen Welt.

Ein Beispiel ist Angola, dort übermitteln Korrespondenten, die in einer Nachrichtenagentur arbeiten, Informationen an RSF. Die Europaische Union hat uns finanzielle Hilfe für Leute angeboten, die den Verlauf von Wahlen beobachten sollen. Das internationale Exekutivkomitee hat jedoch noch nicht entschieden, ob dieses Geld angenommen werden soll.

In Ruanda gab es einen Radiosender "Milles Collines" und eine Zeitung, die den ganzen Genozid begleitet haben, deshalb soll neben dem Jahresbericht auch ein Bericht über die "Medien des Hasses" verfaßt werden. Hierbei wird ebenfalls die Mitarbeit der Sektionen benötigt.

Ein neuer Sender "Radio Kigali" soll gegründet werden. auch deutsche Journalisten werden dann zur Mitarbeit eingeladen (Voraussetzung sind englische und französische Sprachkenntnisse) .

Wie kommt man am schnellsten an Informationen. wenn man über eine Aktion berichten möchte?

Man sollte in jedem Fall zuerst das Berliner Büro anrufen.

Wird es in Zukunft einen Planungswrlauf geben, der gewährleistet, daß die deutsche Sektion rechtzeitig über Aktionen informiert wird?

C'est un problem.

Konnte die deutsche Sektion eine Anschubfinanzierung de französischen Sektion in Anspruch nehmen?

Einen finanziellen Anschub konnte man sich vorstellen, doch darüber müßte das internationale Exekutivkomitee entscheiden. Ich selbst verbringe die Hälfte der Zeit damit Geld zu beschaffen oder die verschiedenen Medien und Verlage darum zu bitten, beim Druck und der Herausgabe unserer Publikationen zu helfen. Es ist einfacher, sie darum zu bitten, etwas zu produzieren. Sehr viele Zeitungen arbeiten für uns, zum Beispiel stellt uns eine Zeitung Platz fur eine Anzeige zur Verfügung, eine andere stellt einen Mitarbeiter ein ganzes Jahr für die Arbeit bei RSF frei und bezahlt ihn trotzdem weiter. RSF hat in Frankreich mittlerweile soviel Prestige, daß sich viele Chefredakteure verpflichtet fühlen, etwas für diese Organisation zu tun.

Wie sah es in den anderen Sektionen aus, ab wann gab es dort einen Ceschaftsführer?

Die in der Schweiz haben eine Halbtagsstelle für eine Sekretärin, hatten aber genug Geld für einen Geschaftsfährer, haben diesen Schritt aber noch nicht gewagt. In Frankreich hatte man 1986-87 eine Halbtagssekretärin, und ich wurde von meinem Arbeitgeber für die Arbeit bei RSF freigestellt.

Gibt es eine Koordination von RSF mit anderen Menschenrechtsorganisationen?

Wir arbeiten taglich mit amnesty international zusammen, machen jedoch keine gemeinsamen Aktionen. Die Leute von RSF sind in den verschiedensten Menschenrechtsorganisationen vertreten.

Ist es sinnvoll eine Arbeitsteilung in den Sektionen vorzunehmen?

Ja, man hat daran gedacht, daß Deutschland ein guter Ansprechpartner für Osteuropa und die Türkei wäre.

Was kann RSF für die Journalisten tun, die verschwinden?

Wir würden gerne ein Netz aufbauen, um sofort, wenn ein Journalist verschwindet, in allen Medien Alarm schlagen zu können.

Was soll man machen, wenn man Inforrnationen über verfolgte Journalisten hat?

Sofort uns in Paris informieren.

Was unternimmnt das französiche Sekretariat dann konkret?

Wir legen Protest ein und wenden uns direkt an die Regierung des betroffenen Landes.

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