ROG Aktuell - ÖsterreichROG Homepage
zurückArchivIndexVolltextsucheweiter

PRESSEMITTEILUNG Berlin, 25.9.2001

Russland/ Präsident Putin in Berlin:

Journalist in Tschetschenien verschollen

Anlässlich des Staatsbesuchs des russischen Präsidenten Wladimir Putin fordert Reporter ohne Grenzen erneut Aufklärung über das Schicksal des seit zwei Monaten verschollenen japanischen Reporters Kosuke Tsuneoka.

Das letzte Lebenszeichen des unabhängigen Journalisten Kosuke Tsuneoka kam Ende Juli aus Tiflis (Georgien): Per E-Mail kündigte er eine Reise nach Tschetschenien an. Sein letzter Artikel über die Situation in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, den er Ende Juli schickte, erschien in der japanischen Zeitschrift Friday.

Reporter ohne Grenzen, internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, forderte am 20. September den russischen Innenminister, Wladimir Ruschailo, und den russischen Informationsminister, Michail Lesin, in einem Brief auf, Untersuchungen über den Verbleib Kosuke Tsuneokas anzustellen und Erkenntnisse darüber öffentlich zu machen.

Tschetschenien ist nach wie vor eine der gefährlichsten Regionen der Welt für Journalisten. Mindestens drei Reporter wurden dort im Jahre 2000 in Ausübung ihres Berufes getötet. Es gibt aus der Region keine freie Berichterstattung. Reporter ohne Grenzen hat bereits etliche Male interveniert, weil die russischen Behörden keine ernsthaften Ermittlungen unternahmen, um das Schicksal „verschwundener" Journalisten aufzuklären.

Als der französische Journalist Brice Fleutiaux nach acht Monaten Geiselhaft bei einer bewaffneten Gruppe im Juni 2000 endlich freigelassen wurde, erklärte ein Sprecher des Kreml, dies sei „eine Warnung für andere Journalisten".

Zum Fall des russischen Journalisten Andrej Babitskij sagte Präsident Putin in einem Interview im März 2000 in der Moskauer Tageszeitung Kommersant "Es ist eindeutig, dass er für den Feind arbeitet. Was er macht, ist viel gefährlicher als mit automatischen Waffen zu schiessen." Der Journalist schrieb kritische Artikel über die russischen Kampfeinheiten in Tschetschenien.

Babitskij, Mitarbeiter von Radio Svoboda, war im Januar 2000 von russischen Militärs in einem Vorort von Grosny verhaftet und zwei Wochen später im Austausch gegen gefangen genommene russische Soldaten der tschetschenischen Guerilla übergeben worden. Als er in Daghestan (Russland) mit einem gefälschten Pass freigelassen wurde, verhaftete man Babitskij erneut und stellte ihn in Moskau monatelang unter Hausarrest. Babitskij wurde wegen dieser falschen Papiere zu einer Geldstrafe verurteilt.

 

Für weitere Informationen:

Reporter ohne Grenzen
Tel. (030) 615 85 85
kontakt@reporter-ohne-grenzen.de
www.reporter-ohne-grenzen.de

 

Reporter ohne Grenzen
Skalitzer Straße 101,
D-10997 Berlin
Germany
rog@snafu.de
Tel.: 49 - 30 - 615 85 85
Fax: 49 - 30 - 614 34 63

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ zurück | Homepage | Aktuell | Archiv | Volltextsuche | weiter ]

© Reporter ohne Grenzen
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/