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Pressemitteilung Berlin, 3. Januar 2001

26 Journalisten starben im Jahr 2000 in Ausübung ihres Berufes

Reporter ohne Grenzen zieht Bilanz: Weltweit 510 Angriffe auf Journalisten, 329 Festnahmen, 295 Medien zensiert, 77 Journalisten zurzeit in Haft

Im Jahr 2000 wurden nach Ermittlungen von Reporter ohne Grenzen mindestens 26 Journalistinnen und Journalisten getötet. Bei weiteren Fällen wird noch untersucht, ob ihr Tod im Zusammenhang mit ihrem Beruf steht. 510 wurden wegen ihrer Berichterstattung bedroht, angegriffen, entführt. Mindestens 329 wurden deshalb festgenommen, verhört oder zeitweilig inhaftiert.

Journalisten als Opfer von Rebellen oder Organisiertem Verbrechen

Mit 26 getöteten Journalisten liegt die Zahl unter der des Vorjahres (36), doch die Besorgnis erregende Tendenz setzt sich fort, dass immer mehr Journalisten Opfer von Rebellen oder Organisiertem Verbrechen werden. In Asien mussten vier Journalisten sterben, weil sie über organisierte Kriminalität oder Drogenhandel recherchierten.

In Sierra Leone, Sri Lanka, Kolumbien und Spanien wurden insgesamt elf unliebsame Journalisten von militanten Separatisten oder Rebellengruppen ermordet. So steht z.B. auch der Name der baskischen Journalistin Carmen Gurruchaga, Trägerin des Menschenrechtspreises 2000 von Reporter ohne Grenzen, auf einer ¤schwarzen Liste" der ETA.

Auch Geiselnahmen werden immer häufiger. In Kolumbien wurden im vergangenen Jahr rund 20 Journalisten entführt, auf den Philippinen 25 als Geiseln genommen.

Birma, China, Iran und Äthiopien halten die meisten Journalisten inhaftiert

Insgesamt 77 Journalistinnen und Journalisten sind zurzeit in 22 Ländern der Welt im Gefängnis. Vier Staaten zählen zu den traurigen Spitzenreitern: Birma mit 13, China mit 12, Iran mit 10 und Äthiopien mit 9 gefangenen Journalisten.

Die Haftbedingungen sind in fast allen Ländern schlecht, zum Teil sogar lebensbedrohend. Medizinische Versorgung wird oft verwehrt, erniedrigende Behandlung oder Folter sind keine Ausnahme. Die schwer kranke birmesische Journalistin San San Nweh verbüßt seit 1994 eine Haftstrafe. Sie muss sich ab sechs Uhr morgens mit gekreuzten Beinen auf den Boden ihrer Zelle setzen, Kommunikation mit Mitgefangenen ist bei Strafe verboten.

Mehr als 20 Erscheinungsverbote in jedem Monat.

295 Medien wurden im Jahr 2000 mit Erscheinungsverboten belegt. Im Iran hat die von konservativen Kräften dominierte Justiz mehr als 30 reformorientierte Publikationen verboten. In der Türkei sprach die oberste Regulierungsbehörde für audiovisuelle Medien RTÜK mehr als 4.200 Tage Sendeverbote gegenüber Dutzenden von Radio- und Fernsehstationen aus.

Internet unter Kontrolle

Auch wenn das Internet viele Möglichkeiten bietet, Zensur zu umgehen, versuchen zunehmend mehr Regimes, dieses Kommunikationsmittel zu kontrollieren. Eine übliche Methode besteht darin, keine privaten Provider zuzulassen. Auch der Zugang zu nicht genehmen Internetseiten wird gesperrt oder die gesamte elektronische Post kontrolliert.

Weitere Informationen: Tel. 0043/30/615 85 85
oder im Internet: http://www.rsf.fr
Anfang März erscheint ein neuer Internet-Bericht

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