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Pressemitteilung Berlin, 8.12.2000

10. Dezember, Internationaler Tag der Menschenrechte

Journalisten droht Zensur, Gefängnis, Folter, Mord

20 Reporter seit Anfang des Jahres wegen ihrer Tätigkeit getötet, 80 im Gefängnis

Reporter ohne Grenzen, internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit, erinnert am Jahrestag der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte":

Mehr als die Hälfte der 189 Staaten mit Sitz bei den Vereinten Nationen missachten Artikel 19, der Meinungs- und Pressefreiheit garantiert. Mord, Folter und Gefängnisstrafen für journalistische Arbeit sind an der Tagesordnung.

Beispiel Burkina Faso:

Am zweiten Jahrestag des Mordes an Norbert Zongo am 13. Dezember 1998 sind die Täter immer noch auf freiem Fuß. Sechs Verdächtige, darunter der Bruder des Präsidenten, wurden im Mai 1999 von einem unabhängigen Untersuchungsausschuss unter Beteiligung von Reporter ohne Grenzen ermittelt.

Robert Ménard, Generalsekretär von Reporter ohne Grenzen, war nach der Bekanntmachung des Untersuchungsergebnisses aus dem Lande verwiesen worden - seitdem dürfen keine Mitarbeiter der Menschenrechtsorganisation mehr nach Burkina Faso reisen.

Norbert Zongo war Gründer und Chefredakteur von L'Indépendent, der wichtigsten privaten Wochenzeitung des Landes. Am 13. Dezember 1998 hatte man die verkohlten Leichen Zongos, seines Bruders, seines Chauffeurs und eines Angestellten der Zeitung in einem ausgebrannten Wagen gefunden: Alle Indizien sprechen aber gegen einen tödlichen Unfall.

Beispiel Birma:

Die Journalistin und Schriftstellerin San San Nweh befindet sich seit mehr als sechs Jahren im Gefängnis in Rangoon; sie ist zu insgesamt zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Unter den mörderischen Haftbedingungen wurde sie schwer krank. Doch eine medizinische Versorgung wird ihr verwehrt.

San San Nweh soll "regierungsfeindliche Berichte" an ausländische Journalisten und Diplomaten weitergeleitet und in einer Video-Reportage "regimefeindliche Äußerungen" gemacht haben. haben. Zudem unterstützte sie die verbotene Nationale Liga für Demokratie (NLD) der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi. 1999 erhielt San San Nweh den Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen, am 28. November wurde sie mit der "Goldenen Feder der Freiheit" des Weltverbandes der Zeitungen (WAN) ausgezeichnet.

Reporter ohne Grenzen setzt sich für verfolgte Journalistinnen und Journalisten ein

Der tadschikische Journalist Dododjon Atovulloev war auf Einladung von Reporter ohne Grenzen vier Wochen im November d.J. zu Gast in Deutschland. Er ist Herausgeber und Chefredakteur der unabhängigen tadschikischen Wochenzeitung Tscharogi Rus. Er schrieb:

"Wenn ich meinem Freund etwas Wichtiges mitteilen möchte,fange ich automatisch an zu flüstern. Beim Anblick eines Polizisten versuche ich, mich unsichtbar zu machen. Und mein Freund lacht: He, beruhige dich. Wir sind in Deutschland! Doch noch immer bin ich in Gedanken in meiner Heimat, mit meinem Alarmsystem und meinen Gewohnheiten. Obwohl schon bald ein Monat vergangen ist, seitdem ich mich mit Hilfe der Reporter ohne Grenzen in Deutschland befinde. Sie haben mich rausgeholt, nachdem die Mächtigen meiner Heimat mich auf die Todesliste gesetzt haben."

Inzwischen ist er nach Moskau zurückgekehrt, wo er jetzt im Exil lebt.

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