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Pressemitteilung Berlin, 2.11.2000

Bangladesh:

"Wo immer Sie Journalisten treffen - brechen Sie ihnen die Knochen!" sagt der Minister

Reporter ohne Grenzen ist zutiefst schockiert und empört über die Äußerung des Ministers für Soziales von Bangladesh, Mozammel Hossein, mit der er zur Gewalt gegen Journalisten aufruft. In einem Brief fordert die internationale Organisation zur Verteidigung der Pressefreiheit den Minister auf, "sich öffentlich zu entschuldigen" und "die jüngsten Übergriffe von Mitgliedern seiner Partei zu verurteilen".

* Bei einem Treffen mit Funktionären der führenden Partei, der "Awami Liga", am 25. Oktober in Satkhirat rief der Staatsminister die Anhänger seiner Partei auf, Journalisten anzugreifen: "Wo immer Sie Journalisten treffen - brechen Sie ihnen die Knochen!" Des Weiteren bat er die Polizei und örtlichen Ämter, Beschwerden von angegriffenen Journalisten nicht entgegenzunehmen. Seitdem halten sich etwa ein Dutzend Journalisten versteckt.

Offenbar reagierte der Minister auf Zeitungsartikel, die die führende Partei beschuldigen, Hilfsmittel für die Opfer der Überschwemmungen im Südwesten des Landes zu veruntreuen. Minister Hossein leitet die Verteilung der Hilfsgüter. Einige Zeitungen werfen dem Minister schlechtes Krisenmanagement vor, zudem habe er Nichtregierungsorganisationen den Zugang zu den überfluteten Dörfern verwehrt.

* Der Aufruf des Ministers blieb nicht ohne Wirkung: Schon am nächsten Tag, dem 26. Oktober, überfielen bewaffnete Mitglieder der "Awami Liga" den Presseklub in Satkhirat. Die Attentäter schossen zweimal auf Anisur Rahim, Chefredakteur der Tageszeitung Satkhirat Chitra und verletzten ihn. Mit Revolvern und Messern prügelten sie weiter auf Arme und Beine des Journalisten ein. Das Büro der Zeitung wurde verwüstet.

* Bereits am 20. Oktober hatten Mitglieder der Jugendbewegung der "Awami Liga" den Journalisten Sohrab Hossain angegriffen. Der Mitarbeiter der Tageszeitung Loksamaj hatte einen Artikel über die gravierenden Mängel bei der Katastrophenhilfe seitens der Regierung veröffentlicht. Einer der Täter wurde verhaftet, aber kurz danach wieder freigelassen, nachdem Mitglieder der "Liga" vor dem Polizeirevier, wo er inhaftiert war, demonstrierten.

Seit Anfang dieses Jahres wurden mindestens 11 Journalisten von Mitgliedern der "Awami Liga" oder ihr nahestehenden Jugendbewegungen angegriffen. Im Oktober drohte Abu Taher, Bürgermeister der Stadt Lakhipur und führender Lokalpolitiker der "Awami Liga", Journalisten damit, "ihnen die Knochen zu brechen", wenn sie ihn in Zusammenhang mit dem Verschwinden eines führenden Oppositionspolitikers bringen würden. Er "empfahl" den Reportern, entweder "die Stadt zu verlassen oder mit sehr schwerwiegenden Konsequenzen zu rechnen".

* In Bangladesh wurden in diesem Jahr bereits zwei Journalisten ermordet: Am 16. Juli erschossen Unbekannte Shamsur Rahman in seinem Büro in Jessore. Der Journalist arbeitete für die Tageszeitung Janakantha und den bengalischen Dienst der BBC. Rahman hatte über Machenschaften der lokalen Mafia berichtet, aber auch Recherchen über die Aktivitäten einer linksgerichteten bewaffneten Gruppe angestellt.

Am 15. Januar ermordeten drei Maskierte Mir Illais Hossain, Verleger der Tageszeitung Bir Darpan. Der Journalist, der auch Vorsitzender einer linksgerichteten Partei war, hatte vorher Morddrohungen von maoistischen bewaffneten Gruppen erhalten und um Polizeischutz gebeten, der ihm aber nicht gewährt worden war.

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