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PRESSEMITTEILUNGBerlin, 13.4.1999

Jugoslawien/Serbien

Mörderische Hetze

Der ermordete Journalist Slavko Kuruvija wurde seit Jahren systematisch verfolgt.

Politiker und staatliche Medien bedrohten ihn und andere Regimekritiker.

Mit Trauer und Bestürzung erfuhr Reporter ohne Grenzen vom Tod des Journalisten Slavko Kuruvija, der am 11. April von zwei maskierten Mördern auf offener Straße erschossen wurde. Das Internationale Sekretariat in Paris fordert von den jugoslawischen Behörden, eine gründliche Untersuchung des Verbrechens zu gewährleisten.

Der Mord an Slavko Kuruvija erscheint als schreckliche Folge einer systematischen Kampagne gegen die unabhängigen Medien Jugoslawiens. Obwohl über Täter und Hintermänner nur Vermutungen angestellt werden können, scheint es undenkbar, daß die Bluttat nicht mit Kuruvijas journalistischer Arbeit in Verbindung steht.

Slavko Kuruvija war Chefredakteur der 1996 von ihm selbst gegründeten Tageszeitung Dnevni Telegraf, einer der letzten unabhängigen Publikationen in Jugoslawien. 1994 hatte er die Wochenzeitung Nedeljni Telegraf, 1998 das Magazin Evropljanin gegründet. Er schrieb für mehrere ausländische Zeitungen, darunter The Guardian und The Independent.

Seit Jahren wurden Kuruvijas Zeitungen und deren Mitarbeiter in zahllosen Gerichtsverfahren mit drakonischen Geldstrafen belegt. Dnevni Telegraf und Evropljanin wurden im Oktober 1998 verboten. Die Erscheinungsverbote versuchte er zu umgehen, indem seine Zeitungen ihren Sitz nach Montenegro verlegten. Reporter ohne Grenzen hatte daraufhin Dnevni Telegraf sowie die gleichfalls verbotenen Nasa Borba und Danas unter anderem durch Veröffentlichungen auf seinen Internetseiten unterstützt.

Am 8. März dieses Jahres waren Kuruvija und die Dnevni Telegraf-Redakteure Srdjan Jankovic und Zoran Lukovic wegen "Verbreitung von Falschinformationen" zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden. Über die Berufung gegen das international scharf kritisierte Urteil sollte in den nächsten Tagen entschieden werden. Die Zeitung hatte über den Mord an einem Mitarbeiter einer Belgrader Forschungsklinik für Herzerkrankungen berichtet. Der Arzt hatte den Leiter des Institus, Milovan Bojic, des Mißbrauchs von Haushaltsmitteln beschuldigt. Bojic ist gleichzeitig einer der stellvertretenden Ministerpräsidenten Jugoslawiens.

Kuruvija erhielt zudem immer wieder Todesdrohungen. Regierungsnahe Medien beschuldigten ihn in der Woche vor seiner Ermordung der Unterstützung für die NATO-Luftangriffe. "Leute wie ihn", so die Tageszeitung Politika Express, "werden wir nicht vergessen und wir werden ihnen auch nicht vergeben."

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