ROG ReportsROG Homepage
zurückArchivIndexVolltextsucheweiter

Getötete Journalistinnen und Journalisten 1996

28 Journalisten und Journalistinnen wurden 1996 wegen ihrer Meinung oder in Ausübung ihres Berufes getötet

ALGERIEN

1O. Januar Muhammad Mekati, Journalist der regierungseigenen Tageszeitung El Moudjahid, wird am 9. Januar in der Nähe seiner Wohnung in einem Vorort von Algier von drei Schüssen in den Unterleib, am Arm und am Bein getroffen und erliegt seinen Verletzungen am Tag darauf. Er ist der vierte ermordete Journalist von El Moudjahid seit Juni 1994.

10. Februar Abdallah Buheschek, Redaktions-Koordinator der Wochenzeitung Revolution et travail, dem Organ der "Union generale des travailleurs algeriens" (Union der algerischen Arbeiter), wird in der Nähe von Blida im Süden von Algier erschossen.

11. Februar Allaua Ait Mebarek, Chefredakteur der Tageszeitung Le Soir d 'Algene, sowie zwei Journalisten derselben Zeitung, Muhammad Dorbban, Kolumnist und Karikaturist, und Dschamel Deraza, Redakteur der Seite "Spiel und Entspannung", werden durch eine Autobombe getötet. Ziel des Attentats ist das Pressehaus, in dem die meisten privaten algerischen Zeitungen untergebracht sind.

2. März Belkasem Saadi, Journalist beim Regionalsender des algerischen Fernsehens ENTVin Constantine, wird drei Tage nach seiner Entführung in einem Wald in Skikda, nördlich von Constantine, tot aufgefunden. Die Leiche ist verstümmelt.

12. März Dschilali Arabdiu, Fotograf der regierungseigenen Wochenzeitung Algerie actualite, wird in Ain Naadja, einem südwestlichen Vorort von Algier, erschossen. Sein Engagement bei den sozialen Aktivitäten des Blattes und sein Einsatz für die Wochenzeitung, die in finanziellen Schwierigkeiten steckte, haben ihn bekannt gemacht.

11. August Muhammad Guessab, Journalist bei Radio-Coran, wird im Stadtteil Beau-Fraisier in Algier ermordet. Er befindet sich zusammen mit seinen zwei Brüdern in einem Fahrzeug, als eine bewaffnete Gruppe das Feuer auf sie eröffnet. Mohammed Guessab, verhei- ratet und Vater von vier Kindern, und einer seiner Brüder, ein Polizeibeamter, sterben.

ANGOLA

30. Oktober Antonio Casimiro, Korrespondent des Fernseh- senders Televisao Popular de Angola in Cabinda, wird von Unbekannten ermordet. Nach Angaben des Bischofs von Cabinda, Dom Paulino Madeka, haben fünf Polizisten, die von einem Zivilisten angeführt wurden, das Verbrechen verubt.

BANGLADESCH

19. Februar: Mohammad Quamruzzaman, Journalist bei der Wochenzeitung Neel Sagar, wird in Nilphamari, im Norden des Landes, von der Polizei nieder- geschossen, als diese das Feuer auf Unterstützer eines abtrünnigen Kandidaten der Nationalistischen Partei Bangladeschs eröffnet. Nach Zeugenberichten stürzen sich die Polizisten auf den Journalisten, nachdem sie ihn getroffen haben, und prügeln ihn mit Gewehrkolben zu Tode.

19. Juni S. M. Alauddin, ehemaliges Parlamentsmitglied der "Awami Liga" und Redakteur der Wochenzeitung Ogrodoot, die in Sathkhira erscheint, wird von Unbekannten ermordet. Während er sich in den Räumen seiner Zeitung die Fernsehnachrichten um 22 Uhr ansieht, wird er von Maskierten mit Kugeln durchsiebt. Mitarbeiter der Zeitung bringen ihn ins Krankenhaus, wo er seinen Verletzungen erliegt.

GUATEMALA

11. April Juan Jose Yantuche, Reporter der Fernsehnachrichtensendung TV Noticias, der Ende März verletzt in seinem Auto am Ende einer Schlucht der Zone 1 von Mixco gefunden wird, stirbt 14 Tage später an den Folgen seiner Verletzungen . Laut ärztlichem Befund hat eine Kugel einen Lungenflügel des Journalisten zerfetzt, zudem hat er Schläge auf die Leber erhalten.

INDIEN

1O. April Der Leichnam von Ghulam Rasool Sheikh, Journalist bei Rehnuma-e-Kashmirund bei Saffron Times, und seit dem 20. März nach seiner Entführung durch Unbekannte vermißt, wird aus dem Jelum-Fluß im Bundesstaat Kaschmir geborgen. Sheikh hat eine Artikelserie über die Häufung von Brandstiftungen in der Gegend von Pampur veröffentlicht.

17. Mai Parag Kumar Das, Journalist bei Asomiya Pratidin, wird im Bundesstaat Assam im Nordosten des Landes von unbekannten Bewaffneten ermordet, als er seinen Sohn von der Schule abholt; der Siebenjährige wird verletzt. Der Verleger der regionalsprachlichen Zeitung Asomiya Pratidin ist für seine Sympathien zur Separatistengruppe der "Vereinigten Befreiungsfront Assams " bekannt.

INDONESIEN

16. August Fuad Muhammad Syafruddin, 33, Journalist der Tageszeitung Bernas in Yogyakarta, erliegt seinen Verletzungen. Am 13. August wird er in seiner Wohnung überfallen, nachdem er Artikel über Korruptionsaffären innerhalb der Regierung veröffentlicht und namentlich den Gouverneur von Bantul, Sri Roso Sudarno, erwähnt hat.

IRLAND

26. Juni Veronica Guerin, 36, Journalistin beim Sunday Independent, wird in einem südlichen Vorort von Dublin von zwei Motorradfahrern durch mehrere fundierten Recherchen über das Mafia-Milieu in Dublin bekannt. Im Oktober 1994 und im Januar 1995 ist sie bereits zwei Attentaten entkommen.

KAMBODSCHA

18. Mai Thun Bun Ly, Chefredakteur des Oppositionsblattes Uddomgatikhmer (Das Khmer-ldeal) wird um 10.45 Uhr im Zentrum von Phnom Penh erschossen, als er das Haus von Sam Rainsy, Chef der "Partei der Khmer-Nation", verläßt. Ein Motorradfahrer schießt ihm zuerst eine Kugel in den Rücken, kehrt dann um und feuert ihm zwei weitere Kugeln in die Brust und eine ins Bein. Kurz zuvor hat ihm ein Mitglied der Armee ein "Schicksal, das ganz Phnom Penh erschrecken wird", angedroht.

KOLUMBIEN

18. Oktober Norvey Diaz, 42, Leiter der Informationssendung "Rondando por los barrios" des Senders Radio Colina, wird in Giradot, einem Badeort 135 km südlich von Bogota, ermordet. Seine Leiche wird in den beliebten Thermen Isla del Sol mit einer Kugel im Nacken gefunden. Die Ermittler gehen davon aus, daß Profis den Mord minutiös organisiert haben.

PAKISTAN

27. April Zafar Iqbal, 36, Chefredakteur der wöchentlich erscheinenden Wirtschaftszeitung Nawai Banker, wird von maskierten Angreifern in einen Hinterhalt gelockt und ermordet, als er mit seinem Auto die Redaktion verläßt. Er wird von zwei Kugeln getroffen und ist sofort tot. Zafar Iqbal hat sich mehrfach gegen die terroristischen Methoden der "Mohajir-Qaumi- Bewegung" gewandt.

PHILIPPINEN

12. Februar: Ferdinand Reyes, Direktor der Wochenzeitung Press Freedom und Anwalt für Menschenrechtsangelegenheiten, wird in seinem Büro in Dipolog, im Süden der Insel Mindanao, mit einen Kopfschuß getötet. Der Mörder und sein Komplize, der draußen Wache hält, entkommen auf einem Moped. Ferdinand Reyes ist Schüsse tödlich getroffen, als sie mit ihrem Auto an einer roten Ampel hält. Die Journalistin ist für ihre für seine Kampagnen gegen die Korruption bekannt und hat in vielen Artikeln scharfe Kritik an Menschen- rechtsverletzungen geübt.

14. Dezember: Roberto Berbon, Chefredakteurvon DZMM dem wichtigsten Radiosender des Landes, wird vor seiner Wohnung ermordet. Er befindet sich in Begleitung seiner Frau und einiger Verwandten, als drei Männer in einem Auto auftauchen und mehrfach mit einem Sturmgewehr und einem Revolver auf den Journalisten schießen.

RUSSLAND

11. März: Wiktor Pimenow, Kameramann bei Wainach einem von Moskau kontrollierten nationalen Fernsehsender in Tschetschenien, wird in Grosny von einem Hecken- schutzen, der sich auf dem Dach eines Hochhauses in der Leninstraße postiert hat, getötet. Pimenow wird erschossen, während er Kämpfe zwischen tschetschenischen Aufstandischen und der russischen Armee filmt.

29. März Die Leiche von Nadjeschda Tschajikowa, 33jahrige Journalistin bei der Moskauer Wochenzeitung Obschaja Gaseta, wird erst am 11. April identifiziert, obwohl sie schon am 30. März in der Nähe des Dorfes Gekhi, 20 km südlich der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, gefunden worden war Nach Aussagen der medizinischen Experten wird die Journalistin in der Nacht vom 29. auf den 30. März geschlagen und auf die Knie gezwungen, bevor man sie mit einen Schuß in den Nacken tötet. Am 19. März hat sie in einem Artikel den russischen Streitkräften Plünderungen vorgeworfen.

8. Mai Nina Efimowa, Journalistin beim pro-russischen tschetschenischen Blatt Wosrodenie, wird zusammen mit ihrer 70jährigen Mutter aus ihrem Appartement in Grosny entführt. Der Leichnam der Journalistin, die durch mehrere Schüsse in den Kopf getötet wird, wird am 9. Mai in einem Außenbezirk der Stadt gefunden. Am Abend desselben Tages wird auch die Leiche ihrer Mutter entdeckt. Nina Efimowa hat gerade eine Artikelserie über die Aktivitäten krimineller Gruppen in Tschetschenien veröffentlicht.

12. August Ramsan Chadijew, Korrespondent des russischen Senders ORT, wird an einer Absperrung am Stadtrand von Grosny durch zwei Schüsse aus einem gepanzerten Fahrzeug der russischen Armee getötet. Nach Morddrohungen bat er die Leitung von ORT, ihn nicht mehr in Tschetschenien einzusetzen.

TADSCHIKISTAN

28. März Wiktor Nikulin, 27, Korrespondent des 1. Programms des öffentlichen russischen Fernsehsenders ORT, wird gegen 15 Uhr in seinem Büro in Duschanbe erschossen. Ein oder zwei Unbekannte klopfen an seine Tür und feuern zwei Schusse aus einer Makarow-Pistole auf ihn ab. Eine Kugel trifft ihn unter dem Kinn, eine in den Kopf. Der junge Journalist, dessen Vater Michail lange Zeit als Korrespondent für den Sender in Duschanbe tätig war und mehrfach Drohungen erhielt, arbeitet gerade an einem Bericht über den tadschikischen Konflikt.

TÜRKEI

8. Januar Metin Göktepe, 27, Journalist bei der linksradikalen Tageszeitung Evrensel verfolgt in Istanbul die Beisetzung von zwei politischen Gefangenen, die bei der Niederschlagung einer Gefängnismeuterei getötet worden sind. Göktepe wird mit über 600 weiteren Personen in Polizeigewahrsam genommen und in das Sportzentrum von Eyup gebracht, das für diesen Anlaß beschlagnahmt wurde. Von mehr als zehn Polizisten mit Stöcken, Fäusten und Füßen mißhandelt, stirbt Metin Göktepe an den Folgen einer Gehirnblutung.

ZYPERN

7. Juli Kutlu Adali, 61, Verfasser von Leitartikeln der türkisch-zypriotischen Tageszeitung Yeni Duzen dem Organ der linksgerichteten " Türkischen Republikanischen Partei " (CTP), wird vor seiner Wohnung in Nikosia erschossen. Am Kopf getroffen, stirbt er auf der Stelle. Der Linksintellektuelle Kutlu Adali, der in seinen Leitartikeln regelmäßig politische Persönlichkeiten angreift, hat zuvor Morddrohungen erhalten. In Nikosia hat sich ein anonymer Schreiber im Namen einer rechtsextremen Gruppe namens " Brigaden der türkischen Rache" zu dem Attentat bekannt.


[ Homepage | Aktuell | Suche Rundbrief-Archiv | ]

© Reporter ohne Grenzen e.V.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/