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Bericht 1995

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49 Journalisten und Journalistinnen wurden 1995 wegen ihrer Meinung oder in Ausübung ihres Berufes getötet

Algerien

6. Januar: Zine Eddine Aliou Salah, Journalist der Zeitung Liberte, wird in der Nähe von Blida, 40 km von Algier entfernt, um ca. 10 Uhr beim Verlassen seiner Wohnung von zwei Männern erschossen.

7. Januar: Ali Abboud, Chefredakteur des arabischsprachigen Radios Chaine 1, stirbt an den Folgen des Attentats, dem er am Vorabend in der Nähe seiner Wohnung in Birkhadem auf ihn verübt wurde.

12. Januar: Abdelmadjid Yahiaoui, Journalist der Zeitung Al Chaab, wird vor seiner Wohnung in Baraki, Hochburg der Fundamentalisten in den Vororten von Algier, von tödlichen Schüssen getroffen. Seine Leiche wird am nächsten Tag kaum 100 Meter von seiner Wohnung entfernt entdeckt.

1. Februar: Nasser Ouari, Mitarbeiter des Fernsehens (ENTV), wird in Sidi Moussa bei Algier ermordet. Nasser Ouari mode rierte eine Sendung fur Schwerhörige.

17. Februar: Djamal Ziatar, Journalist der Tageszeitung Al Joumhouna, wird in Gdiyel bei Oran am Grab seiner Mutter erschossen.

20. März: Rachida Hammadi, Journalistin des algerischen Fernsehens, wird auf ihrem Weg zur Arbeit in einem Dienstwagen in der Nähe ihrer Wohnung in der Siedlung CNS im Stadtteil Ben Aknoun durch Schüsse verletzt. Sie stirbt am 31. März.

27. März: Mohammed Abderrahmani, Direktor der regierungseigenen Tageszeitung El Moudjahid, wird während der Fahrt in seinem Auto in Ruisseau, einem Stadtviertel von Oued Kniss, bei Algier, ermordet.

4. April: Makhlouf Boukhezar, Journalist des algerischen Fernsehens ENTV, wird in seiner Wohnung in Constantine umgebracht. Die Täter, die sich als Polizisten ausgaben, schnitten ihm die Kehle durch.

22. Mai: Malika Sabour, 22jährige Journalistin der Zeitung Echuruk al-Arabi, wird in ihrer Wohnung in Reghaia während der nachtlichen Sperrstunde vor den Augen ihrer Familie umgebracht.

24. Mai: Bakhti Benaouda, Professor an der Universität von Oran und Mitarbeiter der Zeitung Al Joumhouna, wird mit einem Jagdgewehr mit abgesägtem Lauf niedergeschossen, als er ein Fußballspiel besucht.

29. Mai: Mourad Hmaizi, Journalist des algerischen Fernsehens ENTV, wird wahrend einer Autofahrt in Oued Smar ermordet. Er wurde an einen verlassenen Ort gebracht und dort niedergeschossen.

18. Juni: Ahmed Takouchet, genannt "Hakim", Journalist des unabhängigen Radios Cirta in Constantine, wird erwürgt in seiner Wohnung in der Siedlung Ziada aufgefunden.

2. August: Naima Hammaouda, Journalistin des regierungseigenen Wochenblattes Revolution Afncaine, wird erschossen. Ihre Leiche wird 20 km südlich von Algier, in Saoula, gefunden.

20. August: Ameur Ouagueni, Journalist der französischsprachigen Tageszeitung Le Matin, stirbt an den Folgen eines Attentats, das in El Biar, auf der Höhe von Algier, auf ihn verübt wurde.

3. September: Brahim Geroui, Karikaturist der regierungseigenen Tageszeitung El Moudjahid, wird erwurgt im Stadtteil Eucalyptus in Algier aufgefunden. Am Abend zuvor war er von einer bewaffneten Gruppe entfuhrt worden.

3. September: Said Tazrout, Korrespondent in Tizi-Ouzou für die Tageszeitung Le Matin, wird durch mehrere Kopfschüsse getötet.

4. September: Yasmina Brikh, Journalistin des Senders Radio Culture, angeschlossen an das arabischsprachige Radio Chaine 1, wird vor ihrer Wohnung im Stadtteil Eucalyptus ermordet.

8. September: Said Brahimi, Journalist des Fernsehens ENTV, fällt im Kugelhagel eines Kommandos in Cherarda (Kabylei). Auch seine Frau, Technikerin beim Fernsehen, wird ermordet.

3. Oktober: Omar Ouartilan, Chefredakteur der arabischsprachigen Tageszeitung al-Khabar, wird in der Trabantenstadt Belcourt in Algier erschossen.

16 Oktober: Saida Djebaili, Journalistin der arabischsprachigen Tageszeitung al-Hayat al-Arabia, wird unweit vom Zentrum der Hauptstadt, im Stadtteil Beaufraisir, ermordet.

2. Dezember: Hamid Mahiout, Journalist der Tageszeitung Liberte, wird zusammen mit seinem Chauffeur in Algier ermordet. Beide Opfer wurden gefoltert und enthauptet. Die Köpfe waren anschließend in der Wohngegend des Journalisten öffentlich aufgespießt worden.

5. Dezember: Khadidja Dahmani, Journalistin des arabischsprachigen Wochenblattes Echuruk al-Arabi, wird in der Nähe ihrer Wohnung im Vorort von Algier erschossen.

Angola

18. Januar 1995: Ricardo de Mello, Direktor der Tageszeitung Imparcial Fax, wird gegen Mitternacht vor seinem Wohnhaus in Luanda getötet. Seine Leiche wird am nächsten Morgen um 6 Uhr entdeckt. Ricardo de Mello hatte vermutlich wiederholt telefonische Morddrohungen bekommen.

Aserbeidschan

17. März: Adil Buniatov, Kameramann für die Nachrichtenagenturen Reuterund Touran, wird während eines Angriffs durch Streitkräfte der Regierung auf das Hauptquartier der OPON (aufständische Spezialtruppen) in Baku vor dem Gebäude durch eine Maschinengewehrsalve getötet.

Brasilien

21. März: Zaqueu de Oliveira, Chefredakteur der Zeitung Gazeta de Barroso in der Stadt Minas Gerais, wird von einem Geschäftsmann auf einer Grünanlage niedergeschossen. Er hatte die Familie von dessen Ehefrau unlauterer Machenschaften verdächtigt.

1 Mai: Marcos Borges Ribeiro, Eigentümer der Zeitung "Independente" der Grafschaft Verde (Staat Goias), wird schlafend in seiner Wohnung, vor den Augen seiner Frau, getötet. Der Polizist Glaucio dos Reis Santana, verantwortlich für den Mord, beruft sich auf Notwehr.

12. Mai: Aristeu Guida da Silva, Eigentümer der Zeitung A Gazeta de Sao Fidelis wird in Sao Fidelis (Rio de Janeiro) von zwei nicht identifizierten Motorradfahrern erschossen. Der Vater des Opfers erklärte, sein Sohn habe Morddrohungen erhalten. Er hatte Artikel darüber geschrieben, daß der örtliche Bürgermeister sich gesetzwidrig verhalten hatte.

29. August: Reinaldo Coutinho da Silva, Eigentümer der Zeitung Cachoeiras Jornal in der Stadt Cachoeiras de Macacu, wird beim Halten an einer roten Ampel in seinem Auto ermordet. Die Zeitung hatte Rechtswidrigkeiten angeprangert, die von gewissen Elementen der Lokalpolizei sowie einem Politiker aus der Region begangen worden waren.

Burundi

6. April: Vincent Francis, südafrikanischer Journalist und Chef des Johannesburger Büros von Worldwide Television News (WTN), gerät etwa 12 km nördlich von Bujumbura in einen Hinterhalt und wird getötet.

7. Juni: Pamphile Simbizi, Journalist des nationalen Fernsehens, wird im Stadtteil Gaseny in Bujumbura erstochen; zu diesem Zeitpunkt fanden dort gewalttätige Auseinandersetzungen statt.

24. Juli: Abel Katihabwa, Kameramann beim nationalen Fernsehen, wird bei der Rückkehr zu seiner Wohnung von einer Gruppe junger Leute getötet, die von einem Begräbnis von Tutsi-Studenten an der Straße nach Butare in der Nähe von Kamenge kamen.

Großbritannien

24. Januar: Tarsem Singh Purewal, Chefredakteur und Eigentümer der Zeitung Des Pardes wird unweit seines Büros in Southall (Westlondon) niedergeschossen. Die Ermittler stellen drei verschiedene Vermutungen an: eine private Rache, da Des Pardes die Namen von Vergewaltigern, Pädophilen oder zweifelhaften Geschäftsleuten veröffentlichte, um Probleme aufzuzeigen, die in der Sikh-Gemeinschaft existieren; die Rache einer Gruppe von Sikh-Dissidenten, die in Indien für ein unabhängiges Kalistan (Sikh) kämpfen; oder eine Operation des indischen Geheimdienstes, um einen Mann zu "bestrafen", der, obwohl er seinen Landsleuten kritisch gegenüberstand, den Kampf um die Unabhängigkeit generell unterstützte.

Indien

7. September: Mushtaq Ali, freier Photograph für AFP wird in Srinagar (Jammu und Kaschmir) von einer Briefbombe getötet. Der Brief war an den Korrespondenten adressiert, der für die BBC und die Nachrichtenagentur Reuter gearbeitet hatte.

Kolumbien

16. August: Ivan Pelayo, Direktor des Radiosenders Llanoramica Estereo in Puerto Rondon, 250 km von Bogota entfernt, wird ermordet, während er auf Sendung ist. Zu dem Mord bekannte sich die linksextreme "Nationale Befreiungsarmee", die das Opfer als " Feind des Volkes und der Revolution" bezeichnete.

2. November: Alvaro Gomez Hurtado, Eigentümer der Zeitung El Nuevo Siglo in Bogota wird von zwei Motorradfahrern erschossen. In seinen Leitartikeln forderte der Journalist den Rücktritt von Präsident Ernesto Samper, der seine Wahlkampagne mit Narco-Dollars finanziert haben soll. Zu dem Attentat bekannte sich die kolumbianische "Bewegung für die Würde".

KROATIEN

9. August: John Schofield, englischer Berichterstatter für Radio BBC wird in der Krajina, südlich von Karlovac (Region Virginmost), getötet, während er einen kroatischen Gegenangriff filmt.

Mexiko

18. Juni: Dante Espartaco Cortez, Reporter in Tijuana (im Grenzgebiet zwischen Mexiko und Kalifornien), wird ermordet. Er sei von Drogenhändlern erschossen worden, so die Angaben der örtlichen Polizei.

Rußland

1O. Januar: Jochen Piest, Korrespondent in Moskau für den Stern, wird in Tchervlionaja, einem Dorf etwa 20 km nordöstlich von Grozny, von einem tschetschenischen Kämpfer erschossen.

16. Januar: Walentin Janus, Kameramann des Regionalfernsehens Tele Pskov (Nordostrußland), wird im Zentrum der tschetschenischen Hauptstadt getötet.

1. März: Wladislaw Listjev, Direktor des öffentlichen russischen Fernsehens, wird auf seinem Heimweg durch einen Kopfschuß getötet. Einige Tage zuvor hatte er in Erwägung gezogen, jegliche Werbung aus dem Sender zu streichen.

17. Juni: Natalja Aljakina, russische Journalistin des deutschen Nachrichtenmagazins Focus und der Agentur Radio Ruf, wird in Budjonnovsk (Tschetschenien) durch Maschinengewehrschüsse getötet, die aus einem Transportfahrzeug der russischen Panzertruppen abgefeuert wurden.

Somalia

9. Februar: Marcello Palmisano, Kameramann des italienischen Fernsehens RAI 2, gerät in einen Hinterhalt von Milizen und wird getötet.

Sri Lanka

29. April: Drei Journalisten, die der Gruppe Lake House (Gruppe der öffentlichen Presse) angehören: Katunarathna Saputhanthree, Kirama Piyasoma und Edvin Weerasinghe sowie 64 weitere Personen sterben bei der Explosion eines Militärflugzeuges über der Halbinsel Jaffna. Das Flugzeug wurde von einer Boden-Luft-Rakete getroffen, abgefeuert von den tamilischen "Befreiungstigern" (LTTE), die seit zwölf Jahren einen Sezessionskrieg führen.

Tadschikistan

4. Juli: Muhamed Muslim Nadjibulajev, Journalistikstudent, wird tot im See Komsomol im Zentrum von Duschanbe gefunden, seine Leiche weist zahlreiche Messerstiche auf. Er war für seine Schriften zur tadschikischen Politik bekannt.

12. Dezember: Muhieddin Olimpur, BBC-Korrespondent, verläßt sein Büro, um mit dem Bus nach Hause zu fahren. Seine Leiche wird am selben Tag in der Nähe der Universität gefunden.

Tunesien

25. Januar: Jouhari Sahnoun, Journalist der Zeitung al-Fajr stirbt im Gefängnis an Krebs. Er wurde nicht seinem Gesundheitszustand entsprechend medizinisch versorgt. Erst eine Woche vor seinem Tod wurde er ins Krankenhaus gebracht. Am 23. März 1991 war er festgenommen und wegen " Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation" zu 15 Jahren Haft verurteilt worden.


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