Rundbrief 41, Juni 2001ROG Homepage
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Ukraine:

Gongadses Mörder angeblich ermordet

Kutschma und die Marsmännchen

Kommentar von Miodrag Soric, DW-Redakteur, vom 16. Mai (gekürzt)

"Dummheit und Stolz wachsen auf dem gleichen Holz". Schade, dass die ukrainische Justiz dieses deutsche Sprichwort nicht kennt. Dumm ist es, den eigenen Bürgern und der Welt weis zu machen, dass die Mörder des getöteten Journalisten Georgij Gongadse nicht nur gefunden wurden, sondern dass diese auch noch selbst – und beide gleichzeitig! – ermordet wurden. (...) Hinzu kommt die stolze, ja arrogante Haltung, mit der die Nachricht der Mutter von Gongadse und der Weltöffentlichkeit verkündet wurde. Hier wird so getan, als ob dieses "Ermittlungsergebnis" das Selbstverständlichste der Welt sei. Es wird der Öffentlichkeit vorgegaukelt, dass die ukrainische Justiz unabhängig sei, frei von politischem Einfluss.

Das aber ist nicht so. Jeder, der die Ukraine nur ein wenig kennt, durchschaut dieses zynische Spiel, hinter dem wahrscheinlich der ukrainische Präsidialapparat steckt. Dieser will das für Präsident Leonid Kutschma belastende Thema "Gongadse" endlich aus den Schlagzeilen bringen.

Doch was die Behörden mit dieser so genannten Aufklärung erreicht haben, ist genau das Gegenteil. Jetzt ist selbst für den letzten Zweifler klar, dass der oder die wahren Mörder unter allen Umständen gedeckt werden sollen.(...)

Heute hat uns die ukrainische Justiz erklärt, dass die beiden Mörder Gongadses ermordet wurden. Interessant wird es sein, wie der ukrainische Staatsanwalt der Weltöffentlichkeit erklären wird, auf welche Weise die Tonbandaufnahmen in Kutschmas Kabinett entstanden sind. Diese belegen bekanntlich, dass das Staatsoberhaupt in diese Affäre verwickelt ist. Gut möglich, dass uns die ukrainische Justiz schon morgen stichhaltige Beweise vorlegen wird, dass Marsmännchen die Tonbandaufnahmen gemacht oder gefälscht hätten.

 

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