Rundbrief 40, April 2001ROG Homepage
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Ukraine:

Miroslawa Gongadse in Berlin

Aus Anlass der Erweiterung ihres ukrainischen Programms lud die Deutsche Welle am 28. März die Witwe des ermordeten ukrainischen Journalisten Georgij Gongadse und Reporter ohne Grenzen zum Pressegespräch ins ARD-Hauptstadtstudio ein.

Miroslawa Gongadse, Pressesprecherin der Partei "Reform und Ordnung" und Leiterin der "Open Society Foundation", appellierte an die ukrainische Staatsanwaltschaft, der Familie Gongadse die Ergebnisse der Autopsie der Leiche ihres Mannes zugänglich zu machen. Unstimmigkeiten waren nach einer in München durchgeführten DNA-Analyse von Blut und Gewebe aufgekommen, bei der die Leiche als die Gongadses identifiziert werden sollte. Das Ergebnis war negativ, allerdings besteht der Verdacht, dass die Proben manipuliert wurden. In der Ukraine und in Russland vorgenommene Analysen hatten zuvor positive Ergebnisse erbracht.

Miroslawa und Lesia, die Mutter von Georgij Gongadse, kündigten eine Klage gegen den Staatsanwalt an. Miroslawa Gongadse stimmte dem Ergebnis des Untersuchungsberichts von ROG zu: Das einzige Ziel der ukrainischen Behörden sei es, die Verantwortlichen für den Mord zu schützen. Die Ermittlungen gingen weiterhin nur schleppend voran. Die Staatsanwaltschaft versuche, Druck auf die Familie auszuüben, damit sie eine weitere DNA-Analyse durch das FBI durchführen lässt sowie Gewebeproben von Gongadses Töchtern zur Verfügung stellt. Frau Gongadse sagte hierzu, dass die ukrainischen Behörden selbst eine Analyse durch das FBI erbitten könnten. Desweiteren sei das Verlangen nach Gewebeproben der Töchter eine "aufdringliche und zynische" Bitte, die nur dazu diene, die Ermittlungen weiter hinauszuzögern. Gongadses genetisches Profil sei schon bekannt.

Frau Gongadse betonte die wichtige Rolle von Reporter ohne Grenzen sowie die der in der Ukraine ausgestrahlten ausländischen Sender (DW, BBC und Radio Free Europe). Für die Ukrainer bedeuteten sie einen "Schluck Freiheit". Die aktive Rolle der Medien verstärke den Druck auf die Regierung, den Fall Gongadse aufzuklären. Trotzdem glaube sie aber nicht daran, dass die Mörder ihres Mannes jemals ermittelt werden.

Der Online-Journalist Georgij Gongadse verschwand am 16. September 2000. Sechs Wochen später wurde eine enthauptete und stark verweste Leiche in einem Wald in der Nähe von Kiew gefunden. Reporter ohne Grenzen entsandte im Januar eine Untersuchungsmission in die Ukraine. Nach Gesprächen mit Präsident Kutschma, dem Innenminister, dem Chef des Sicherheitsdienstes, dem Generalstaatsanwalt, Abgeordneten sowie mit Angehörigen und Kollegen von Gongadse stellte ROG fest, dass alles getan wurde, die Ermittlungen zu verhindern. Der Fall Gongadse wurde zu einer Staatskrise, als Mitschnitte von Telefonaten den Verdacht erregten, dass Präsident Kutschma die Ermordung Gongadses angeordnet hat.

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