Rundbrief 40, April 2001ROG Homepage
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In den vergangenen zwei Monaten starben sieben Journalisten:

Chronik der Opfer



Indonesien

Der Journalist Rusli Radja vom Wochenmagazin Pena Lestari ist am 18. Februar im Nordosten Indonesiens erschossen aufgefunden worden. Zeugen zufolge wies der Körper Folterspuren auf. Die Polizei leitete eine Untersuchung ein. Ein Mitglied der nationalen Menschenrechtskommission sagte, der Mord unterstreiche die wachsende Bedrohung für Journalisten in der Unruheprovinz Aceh. Diese seien häufig Ziel von Übergriffen in der Region, für deren Unabhängigkeit Separatisten seit Mitte der 70er Jahre kämpfen.

Mexiko

Durch zwei Schüsse in den Kopf ist José Luis Ortega Mata, Chefredakteur der Wochenzeitung Semanario de Ojinaga, am 19. Februar getötet worden. Von den beiden mutmaßlichen Mördern konnten Phantombilder erstellt werden. Kurz vor seinem Tod hatte der Journalist Informationen über den Drogenhandel im Bundesstaat Chihuahua veröffentlicht. Es ist unklar, ob die Ermordung mit seiner journalistischen Arbeit in Zusammenhang steht. Ortega Mata war seit 15 Jahren Journalist, in dieser Zeit auch Chefredakteur der Wochenschrift Prensa Libre. Vor kurzem war er zum Präsidenten der Vereinigung der Fotografen und Kameraleute von Ojinaga gewählt worden.

Am 24. März wurde Saúl Martínez, stellvertretender Direktor der Tageszeitung El Imparcial, mit vier Kugeln im Kopf aufgefunden. Seine Papiere hatte er noch bei sich. Die Todesumstände glichen denen bei Morden durch kriminelle Gruppen aus der Region. Martínez verschwand, nachdem er über einen Drogenhändler recherchiert hatte. Zwei Wochen zuvor hatte er Todesdrohungen erhalten. Seine Zeitung hatte regelmäßig über Drogenhandel, Menschenschmuggel und Korruption berichtet.

Philippinen

Der Radiokommentator Mohammad Yusop kam am 24. Februar in der Stadt Pagadian durch einen Schuss in den Kopf ums Leben. Er war für den Sender RXID tätig, der zur Islamic Radio Broadcasting gehört. Ein Polizist sagte der Agentur AFP, der Journalist sei von zwei Unbekannten erschossen worden, als er mit seinem Motorrad unterwegs war. Niemand bekannte sich zu dem Mord; die Polizei leitete Ermittlungen ein. Das Attentat ist im Zusammenhang mit häufigen Angriffen und Bedrohungen von Journalisten zu sehen, die von bewaffneten Gruppen, besonders muslimischen Separatisten und Sicherheitskräften, verübt werden, die sich in der überwiegend muslimischen Gegend bekämpfen.

Kuwait

Die erste Frau, die in Kuwait überhaupt als Journalistin arbeitete, ist am 20. März erschossen worden. Die 65-jährige Hudaya Sultan al-Salem, Besitzerin und Chefredakteurin der politischen Wochenzeitung al-Majales, fiel einem Attentat zum Opfer, als sie mit ihrem Auto in ihr Büro fuhr. Nach Angaben von Sicherheitskräften stellten sich vier Männer der Polizei und gaben an, den Angriff verübt zu haben. Bislang sind die Motive für den Mord nicht bekannt. Hudaya Sultan al-Salem begann ihre journalistische Laufbahn 1961.

China

Bereits am 15. Januar wurde Feng Zhaoxia, Journalist bei der Zeitung Gejie Daobao in Xi'an, südwestlich von Peking, mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden. Seine Familie, Kollegen und eine Journalistenvereinigung gehen von einem Mord aus, der im Zusammenhang mit seinen Artikeln steht. Feng hatte über Aktivitäten der lokalen Mafia und deren Verbindungen zu staatlichen Autoritäten berichtet. Seiner Frau zufolge hatte der 48-Jährige einen Tag vor seinem Verschwinden einen Anruf bekommen. Daraufhin verließ er das Haus und kam nie zurück.

Die Polizei geht von Selbstmord aus; die Informationsbehörde verbot wenige Tage nach dem Fund der Leiche jegliche Berichterstattung darüber. Seine Familie forderte die Wiederaufnahme der Ermittlungen.

Kosovo

Kerem Lawton, britischer Journalist der Agentur APTN, wurde am 29. März im Kosovo, nahe der Grenze zu Mazedonien, von Granatwerfern getötet. Mit ihm fanden auch mehrere weitere Personen den Tod. Lawton hatte einige Wochen lang über den Konflikt zwischen Albanern und der mazedonischen Armee in Nordmazedonien recherchiert. Am selben Tag wurde das Auto von zwei AFP-Korrespondenten in Gracani von einem Heckenschützen beschossen. Es war deutlich mit dem Emblem "TV" als Pressefahrzeug ausgewiesen. Dennoch kann nicht zweifelsfrei gesagt werden, dass absichtlich Journalisten die Zielscheibe waren.

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