Rundbrief 39, Februar 2001ROG Homepage
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Zimbabwe:

Die Regierung und ihre Anhänger gehen gegen die unabhängige Presse vor

Zunehmend spüren auch ausländische Journalisten in Zimbabwe das Missfallen der Behörden. In den letzten Tagen wurden zwei Auslandskorrespondenten aus dem Land gewiesen. Die Immigrationsbehörde von Zimbabwe teilte am 15. Februar mit, dass Mercedes Sayagues, Journalistin der südafrikanischen Wochenzeitung Mail and Guardian, dass sie 24 Stunden Zeit habe, das Land zu verlassen. Es gebe keinen Grund, ihre Aufenthaltserlaubnis zu verlängern. Auch Joseph Winter von der BBC wurde ausgewiesen. Er hatte seit vier Jahren aus der Hauptstadt Harare berichtet und erst vor drei Wochen seine Aufenthaltserlaubnis verlängert bekommen. Nunmehr behaupten die Behörden, das Dokument sei gefälscht.

Die Regierung plant, neue Regeln zur Akkreditierung von Journalisten einzuführen, hat diese aber noch nicht bekannt gemacht. Das Media Institute of Southern Africa (MISA) fürchtet, dass die Bestimmungen für ausländische Journalisten verschärft werden, um eine Sperre der Nachrichten über Zimbabwe im Ausland zu bewirken.

Der einheimischen unabhängigen Presse geht es nicht besser. Am 28. Januar verursachte ein Bombenanschlag in der Druckerei der Daily News einen Schaden in Höhe von rund zwei Millionen Dollar. Einige Stunden zuvor äußerte Informationsminister Jonathan Moyo gegenüber der Zimbabwe Broadcasting Corporation, dass der Staat die unabhängige Tageszeitung zum Schweigen bringen werde.

In der Woche davor, am 23. Januar, demonstrierten Kriegsveteranen und Anhänger der Regierungspartei gegen The Daily News, insbesondere ihre Berichterstattung zum Tod des Präsidenten der Demokratischen Republik Kongo, Laurent-Désiré Kabila. Julius Zava, stellvertretender Chefredakteur der Zeitung, wurde von Demonstranten angegriffen, getreten und geschlagen, konnte aber entkommen.

Seit dem 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Zimbabwes, im vergangenen April nimmt der Druck der Regierung und ihrer Anhänger auf die unabhängige Presse insbesondere auf The Daily News zu. Das Blatt war schon einmal Opfer eines Bombenattentats: Im April 2000 explodierte eine Bombe im Erdgeschoss der Redaktion. The Daily News wurde 1999 gegründet und ist eine der meist verkauften Zeitungen in Zimbabwe.

Reporter ohne Grenzen forderte Innenminister John Nkomo auf, die Verantwortlichen für die Angriffe auf Julius Zava und The Daily News zu ermitteln.

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