Rundbrief 39, Februar 2001ROG Homepage
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Tag für Tag

Tunesien:
Jalel Zoghlami, Bruder des tunesischen Journalisten Taufik Ben Brik und Direktor des Monatsblatts Kaws el Karama, wurde am 3. Februar in Tunis auf offener Straße angegriffen. Ein Mann schlug ihm mit einer Eisenstange vor den Kopf, als er sein Haus betreten wollte. Fünf weitere Männer, mit Eisenstangen und Dolchen bewaffnet, folgten ihm. Zoghlami trat noch am selben Tag in einen unbefristeten Hungerstreik. Er appellierte an die Behörden, Ermittlungen gegen die Angreifer einzuleiten, jede Form der Belästigung seiner Familie zu unterlassen sowie ihm und seinem Sohn die zuvor eingezogenen Pässe zurück zu geben. Außerdem forderte er die Legalisierung seiner Zeitung.

Indien:
Der AFP-Journalist und ROG-Korrespondent Surinder Oberoi wurde am 19. Januar von einem Polizisten geschlagen und mit dem Tode bedroht. Oberoi hatte sich in eine dem AFP-Büro benachbarte Straße begeben, um den Opfern einer Bombenexplosion zu helfen und über das Ereignis zu recherchieren. Er stellte Strafantrag bei dem Polizeichef, der eine schnelle Untersuchung sowie eine Bestrafung der Schuldigen versprach.

Costa Rica:
Das Kassationsgericht von San José hat am 24. Januar das im November 1999 gegen die Tageszeitung La Nación verhängte Urteil über umgerechnet 200.000 Euro Schadensersatz wegen "Diffamierung" bestätigt. 1995 hatte La Nación in einer Artikelserie geschrieben, das Verhalten eines costa-ricanischen Diplomaten werde von der europäischen Presse kritisiert. Mauricio Herrerra, Autor der Artikelserie, erhielt eine Geldstrafe von umgerechnet 1.500 Euro. Die Zeitung steht nun vor dem Ruin. Die Direktion will den Fall vor die Interamerikanischen Kommission für Menschenrechte bringen.

Burkina Faso:
Im Mordfall Norbert Zongo wurde am 2. Februar gegen ein Mitglied der Präsidentengarde, den Adjutanten Marcel Kafando, Anklage wegen Mordes und Brandstiftung erhoben. Kafando ist einer von sechs durch eine unabhängige Untersuchungskommission unter Beteiligung von ROG benannten "dringend Tatverdächtigen", die alle der Garde angehören. Norbert Zongo, Direktor der Wochenzeitung L'Indépendant, sowie drei Angehörige und Freunde waren am 13. Dezember 1998 in einem ausgebrannten Autowrack tot aufgefunden worden. Ein zu Zongos Todestag geplantes "Festival für die Pressefreiheit" in der Hauptstadt Ouagadougou wurde von der Polizei unterbunden.

Syrien:
Nizar Nayyuf, seit neun Jahren inhaftierter Journalist, ist vor zwei Wochen erneut in einen Hungerstreik getreten. Berichten der World Association of Newspapers (WAN) zufolge begann Nayyuf den Streik wegen eines Besuchsverbots für seine Familie, die ihn vor drei Monaten das letzte Mal gesehen hat. Er sitzt in Einzelhaft, leidet an Leukämie und einer Reihe weiterer, durch Folterungen hervorgerufener Krankheiten, so dass akute Lebensgefahr besteht.
Nayyuf, Träger des ROG-Menschenrechtspreises 1998 sowie weiterer internationaler Auszeichnungen, die seinen Einsatz für die Pressefreiheit in Syrien würdigen, war Generalsekretär des syrischen Komitees zur Verteidigung der Pressefreiheit. 1992 wurde er zu zehn Jahren Haft wegen "Verbreitung von Falschinformationen" verurteilt.

Kolumbien:
Raúl Benoit, Korrespondent von Colombie de Univisión, der größten spanischsprachigen Fernsehkette der USA, entging am 15. Februar unverletzt einem Attentat. Seine Leibwächter verletzten den Attentäter, einen Angehörigen der nationalen Polizei, der sofort dem Büro der Staatsanwaltschaft übergeben wurde. Drei Wochen zuvor hatte ein Mitarbeiter Präsident Pastranas Raúl Benoit über einen möglichen Anschlag durch die Paramilitärs (AUC) informiert. Die Behörden leiteten jedoch keine Schutzmaßnahmen ein. Reporter ohne Grenzen hat beim kolumbianischen Innenminister protestiert und gefordert, ein Programm zum Schutz von Journalisten in Kolumbien ins Leben zu rufen.

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