Rundbrief 39, Februar 2001ROG Homepage
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Aus den ROG-Pressemitteilungen

Kolumbien

Zwei Journalisten sind innerhalb von zwei Wochen in der kolumbianischen Provinz Caquetá ermordet worden. Der Radio-Journalist Alfredo Abad wurde am 13. Dezember 2000 von zwei Unbekannten erschossen; der Reporter Guillermo León Agudelo wurde am 1. Dezember in seinem Haus erstochen. In den vergangenen zehn Jahren sind mindestens 47 Journalistinnen und Journalisten in Kolumbien ums Leben gekommen. Allein 1999 fielen sechs Journalisten gezielten Mordanschlägen zum Opfer, seit 1996 sind 38 Reporter entführt worden, zwei weitere "verschwanden" unter ungeklärten Umständen.

Algerien

Staatliche Sicherheitskräfte sind einer Untersuchung von Reporter ohne Grenzen zufolge für das "Verschwinden" von fünf Journalisten in Algerien zwischen 1994 und 1997 verantwortlich. Dieses Ergebnis veröffentlichte die Organisation am 5. Februar; der vollständige Bericht kann bei der Geschäftsstelle angefordert werden. Mitglieder des Internationalen Sekretariats stellten im Rahmen ihrer Recherchen vom 14. bis 19. Januar 2001 außerdem fest, dass die algerischen Behörden keine ernsthaften Ermittlungen anstellten, um den Verbleib der "verschwundenen" Journalisten aufzuklären. Reporter ohne Grenzen forderte die rückhaltlose Aufklärung der Fälle. Außerdem müssten die Familien der Vermissten über die Ermittlungen informiert werden. ROG empfahl dem Europarat, Menschenrechtsverletzungen und insbesondere die Frage der "verschwundenen Personen" bei Verhandlungen mit Algerien in Betracht zu ziehen.

Ukraine

Im Fall des vermissten Journalisten Georgij Gongadse hat Reporter ohne Grenzen herausgefunden, dass der zuständige Staatsanwalt die Ermittlungen über das Verschwinden Gongadses behindert, wenn nicht sogar verhindert hat. Dies ergab die Untersuchung einer ROG-Delegation, die sich vom 5. bis 12. Januar 2001 zu diesem Zweck in der Ukraine aufhielt. Am 11. Januar traf die Delegation zu einem Gespräch mit Präsident Leonid Kutschma zusammen. Georgij Gongadse, Chefredakteur des Online-Magazins Ukrainska Prawda (www.pravda.com.ua), verschwand am 16. September 2000. Im November wurde eine enthauptete und stark verweste Leiche in der Nähe von Kiew gefunden. Erst am 10. Januar 2001 wurden die Ergebnisse von DNA-Analysen bekannt gegeben, nach denen es sich "zu 99.6%" um die Leiche Gongadses handeln soll.
Reporter ohne Grenzen forderte anlässlich des Gesprächs zwischen Staatspräsident Kutschma und Bundeskanzler Schröder, dass die Ukraine die Todesumstände des Journalisten nicht länger vertuscht. Der ausführliche Bericht der Untersuchungskommission von ROG wurde am 22. Januar veröffentlicht und kann in der Geschäftsstelle angefordert werden.

Bangladesh

Bei einem gewalttätigen Angriff haben maskierte Männer dem Journalisten Tipu Sultan Arme und Beine gebrochen. Der Korrespondent der unabhängigen Presseagentur United News of Bangladesh war zuvor am 25. Januar im Südosten des Landes entführt worden. Zeugen gaben an, einige der Täter als Anhänger eines Abgeordneten der Regierungspartei erkannt zu haben. Dieser bestritt jedwede Verwicklung in den Angriff. In der Vergangenheit war es mehrfach zu Konflikten zwischen Sultan und dem Abgeordneten gekommen, der für seine aggressive Haltung gegenüber der unabhängigen Presse bekannt ist. Reporter ohne Grenzen forderte den Innenminister von Bangladesh, Mohammad Nasim, auf, alles zu tun, um die Täter zu ermitteln und zu bestrafen. Gleichzeitig erinnerte die Organisation daran, dass der Minister für Soziales im vergangenen Oktober die Anhänger seiner Partei offen zu Gewalt gegen Journalisten mit den Worten aufgerufen hatte: "Wo immer Sie Journalisten treffen brechen Sie ihnen die Knochen!"

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