Rundbrief 39, Februar 2001ROG Homepage
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Iran:

Briefkampagne für die Freilassung der inhaftierten iranischen Journalisten

Im Januar wandte sich Reporter ohne Grenzen an die Chefredakteure, Intendanten und Verantwortlichen deutscher Medien sowie an Verbände und prominente Personen. Wir baten sie, zum 15. Februar einen Brief an den iranischen Botschafter in Berlin zu senden und sich für die Freilassung der im Iran inhaftierten Journalisten einzusetzen.

Folgende 16 Journalisten und Medienvertreter haben uns darüber informiert, dass sie unserer Bitte nachgekommen sind:

Anlass war und ist, dass immer mehr Journalistinnen und Journalisten im Iran inhaftiert sind und mit hohen Gefängnisstrafen, wenn nicht sogar mit der Todesstrafe zu rechnen haben.

Hauptanklagepunkte sind "Antiislamische Propaganda", Beteiligung an staatsfeindlichen Aktivitäten, Beleidigung von islamischen Behörden und Geistlichen, Veröffentlichung von Artikeln gegen die Todesstrafe. In ihren Schreiben, die an das religiöse Oberhaupt des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, weitergeleitet werden sollen, drücken die Unterzeichner ihre "Sorge um die Freiheit der Berichterstattung" und ihre "Besorgnis über die schwierige Lage der Journalisten im Iran" aus. Sie weisen darauf hin, dass die Haftstrafen gegen den Internationalen Pakt über die bürgerlichen und politischen Rechte verstoßen, der auch vom Iran unterzeichnet und ratifiziert worden ist. So heißt es im Schreiben des Chefredakteurs der Woche: "Der Iran setzt sich mit der Inhaftierung meiner Kollegen über eines der grundlegenden Persönlichkeitsrechte hinweg."

NDR-Intendant Jobst Plog bezieht sich auf die Konferenz zum Thema "Iran nach den Wahlen", die im April 2000 in Berlin stattfand. Etliche Anwesende dieser Konferenz sind wegen ihrer Teilnahme angeklagt und verurteilt worden. "Ich möchte meine Betroffenheit über diese Maßnahmen gegenüber Journalisten zum Ausdruck bringen: Es ist gutes demokratisches Recht, Veranstaltungen öffentlich zugänglich zu machen und die Öffentlichkeit darüber zu informieren. Die Veranstaltung fand in Deutschland statt, hier ist das Recht auf Information gesetzlich verbürgt. Als Intendant des Norddeutschen Rundfunks, eines der größten öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland, liegt mir sehr daran, dass Journalisten ihren Beruf ungehindert ausüben können." Und Carola Stern schreibt: "Als Mitbegründerin der Deutschen Sektion von amnesty international habe ich mich intensiv für politische Gefangene unter dem Schah-Regime eingesetzt und bin deshalb öffentlich von dem damaligen Ministerpräsidenten, der später selbst zum Tode verurteilt wurde, angegriffen worden. Ich hatte gehofft, dass die freie Meinungsäußerung nach Beendigung dieser Schreckensherrschaft im Iran nicht mehr mit Repressalien bedroht werden würde. In Deutschland habe ich erfahren, wie Schriftsteller und Journalisten, die das freie Wort für sich in Anspruch nahmen, unter Hitler, Ulbricht und Honnecker sinnlos verfolgt worden sind, und ich möchte jede Gleichsetzung Ihres Staates mit jenen Diktaturen verhindern."

Innerhalb der letzten zehn Monate avancierte der Iran zum größten Gefängnis für Journalisten im Mittleren Osten. 13 Journalisten sind derzeit inhaftiert, drei weitere wurden zu Freiheitsstrafen zwischen acht Monaten und neun Jahren verurteilt, sind aber noch gegen Kaution frei. Nach Einschätzung von Reporter ohne Grenzen gehört Irans Religionsführer Ayatollah Khamenei zu den 20 schärfsten Widersachern der Presseund Meinungsfreiheit in der Welt.

Wir danken allen Unterzeichnern herzlich für ihr Engagement. Vorstand undGeschäftsführung

13 Journalisten sind zurzeit im Iran inhaftiert:

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