Rundbrief 38, Dezember 2000ROG Homepage
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Ukraine:

Warum "verschwand" Gongadze?

Noch immer herrscht Verwirrung um das Verschwinden des georgischen Journalisten Georgi Gongadze. Der Chefredakteur des Online-Magazins Ukrainska Prawda ist seit dem 16. September spurlos verschwunden. Er hatte unter anderem über Korruption in Regierungskreisen berichtet und Präsident Leonid Kutschma mehrfach kritisiert.

Am 16. November fanden zwei Freunde Gongadzes eine stark verweste und zudem enthauptete Leiche in einem Wald in der Nähe von Kiew. Ein forensischer Experte stellte fest, dass es sich bei dem Körper zweifellos um den von Gongadze handelte. Kurz darauf wurde die Leiche jedoch aus dem örtlichen Leichenschauhaus gestohlen.

Wenige Tage später behauptete das Innenministerium, die Leiche für eine DNA-Untersuchung in Kiew aufzubewahren und gab bekannt, dass es sich keinesfalls um die sterblichen Überreste Gongadzes handele: Der betreffende Körper sei "viel kleiner".

Mittlerweile sorgt die Affäre auch für eine Regierungskrise. Oppositionsführer Alexander Moros bezichtigt Präsident Kutschma der Entführung und Ermordung Gongadzes. Moros wurden vom Geheimdienst SBU Mitschnitte von Telefonaten des Präsidenten zugespielt, worin Kutschma den Mord angeordnet haben soll.

Kutschma bezeichnete das Band als Fälschung. Seit dem 30. November beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Parlaments mit der Frage, ob die Mitschnitte authentisch sind. Falls sich die Anschuldigungen bewahrheiten, droht dem Präsidenten ein Amtsenthebungsverfahren.

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