Rundbrief 38, Dezember 2000ROG Homepage
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Gute Nachrichten

Äthiopien:

Tesfa Tegegne, Chefredakteur der privaten Zeitung Remet, ist am 11. Oktober nach acht Monaten gegen Kaution aus der Haft entlassen worden. Er war angeklagt, im Februar 1997 durch einen "verleumderischen" Artikel gegen die Presseproklamation und das Strafgesetzbuch verstoßen zu haben. Die Kaution wurde durch die Ethiopian Free Press Journalist’s Association (EFJA), das World Press Freedom Committee (WPFC), das International Press Institute (IPI) und die International Federation of Journalists (IFJ) aufgebracht. Auch Zemedkun Moges wurde freigelassen. Der Chefredakteur der Zeitung Atkurot war wegen "Verbreitung falscher Informationen" zu zwei Jahren Haft verurteilt und seit Dezember 1997 inhaftiert.

Syrien:

Aus Anlass des 30. Jubiläumsjahres der Machtübernahme durch Hafez al Assad erhielten 600 politische Gefangene Amnestie, darunter auch die Journalisten Samir Al Hassan und Faraj Ahmad Birqdar. Der am 1. April 1986 verhaftete Palästinenser Al Hassan war Redakteur der Wochenzeitung Al Asifa und Herausgeber des Magazins Fatah al-Intifada. Birqdar ist Dichter und war Mitarbeiter der libanesischen Monatszeitschrift Al-Tarik; er war seit 1992 in Haft. Beide waren 1993 wegen Mitgliedschaft in der verbotenen KP Syriens zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Drei weitere Journalisten sitzen jedoch weiterhin im Gefängnis: Nou’man Abdou, ebenfalls Mitarbeiter von Al-Tarik (seit 1992 in Haft); ‘Adel Isma’il, Journalist der libanesischen Tageszeitung Al Raia (seit 1996) und (seit 1992) Nizar Nayyuf, Mitarbeiter der syrischen Wochenzeitung Al Hurriya und Mitglied des CDF (Commitee for the Defense of Democratic Freedom and Human Rights in Syria). Nayyuf ist Träger des ROG-Menschenrechtspreises 1998.

Kolumbien:

60 Jahre Haft lautete das Urteil eines Gerichts in Bogotá für Juan Carlos Gonzalez Jaramillo für den Mord an Mario Calderon und Elsa Alvarado, zwei Reportern, die für das Research and Popular Education Center gearbeitet hatten. Zwei weitere Angeklagte wurden zu 45 Jahren bzw. 55 Monaten Haft wegen Beihilfe zum Mord verurteilt. Angesichts dessen, dass fast alle Morde an Journalisten in den letzten Jahren nicht aufgeklärt wurden und die Täter straffrei blieben, ist dieses Urteil ein wichtiger Schritt.

Schlechte Nachrichten

Sierra Leone:

Reporter ohne Grenzen protestierte gegen die Attacke auf Mustapha Bai Atilla, tätig für den Radiosender Voice of the Handicapped. Der blinde Reporter wurde am 7. Oktober in Freetown von Bediensteten des Ministeriums für Transport und Kommunikation gewaltsam von seinen Blindenführern getrennt und mit den Worten "Halt dein Maul!" zusammengeschlagen. Bai Atilla hatte Korruption im staatseigenen Unternehmen "Sierratel" angeprangert.

Weißrussland:

Die Bankkonten der privaten Druckerei Magic in Minsk sind am 11. Oktober beschlagnahmt worden, fünf Tage später wurde die Ausrüstung der Druckerei konfisziert. Magic druckt etwa 20 unabhängige Periodika, darunter Rabochij, Narodnaja volja und Beloruskaja delovaja gazeta. Der Medienbeautragte der OSZE, Freimut Duve, verurteilte in einem Brief an den weißrussischen Außenminister dieses Vorgehen als "eine klare und eklatante Verletzung grundlegender demokratischer Prinzipien" und einen Versuch, die unabhängigen Medien in Weißrussland zum Schweigen zu bringen.

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