Rundbrief 38, Dezember 2000ROG Homepage
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In den letzten zwei Monaten starben 6 Journalisten

Chronik der Opfer

Philippinen:

Olipio "Jun" Jalapit, wurde am 17. November von Unbekannten erschossen. Der Reporter eines unabhängigen Radiosenders der Stadt Pagadian in der südlichen Provinz Samboanga war mit seinem Auto im Stadtzentrum unterwegs. Nach polizeilicher Darstellung hatte der Journalist "viele Feinde", da er offen über Korruption in der Provinz berichtet hatte. Zuletzt recherchierte er über Unterschlagungen von Spenden für eine Organisation, die Gelder für Bildungseinrichtungen und -projekte sammelt, woraufhin Jalapit eine Reihe anonymer Morddrohungen erhielt.

Kolumbien:

Zwei Männer erschossen den Radioreporter Gustavo Rafael Ruiz Cantillo in der Nacht zum 15. November in Tivijay, im Norden Kolumbiens. Cantillo war in Begleitung von Kollegen des Radiosenders Galeon, als der Mord verübt wurde. Diese behaupten, die Männer als Mitglieder einer rechtsradikalen paramilitärischen Organisation identifiziert zu haben. Cantillo war mehrere Male von dieser Gruppe gewarnt worden, weiterhin kritisch über die Provinz zu berichten. Nach Angaben von Cantillos Kollegen handele es sich aber nicht um Mitglieder der landesweit agierenden rechtsradikalen AUC- Rebellen, sondern um von reichen und einflussreichen Männern der Provinz angeheuerte Killer.

Sri Lanka:

Unbekannte haben am 20. Oktober das Haus von Myilvaganam Nimalrajan in Jaffna mit Maschinengewehren und einer Handgranate angegriffen. Der Journalist fand dabei den Tod. Nimalrajan war der einzige unabhängige Journalist, der über den Konflikt auf der Halbinsel Jaffna für die ausländische Presse, u.a. für den singhalesischen und tamilischen Dienst der BBC, berichtete.

Mosambik:

Der Chefredakteur und Gründer der Tageszeitung Metical, Carlos Cardoso, wurde am 22. November von Unbekannten in seinem Auto erschossen. Nach vorliegenden Informationen bleibt das Tatmotiv unklar. Cardoso war nicht nur einer der aktivsten investigativen Journalisten des Landes, sondern auch Mitglied der Opposition. Der 49-Jährige deckte mehrere Korruptionsskandale der Regierung und deren Verbindungen zum organisierten Verbrechen auf.

Georgien:

Die Leiche des italienischen Reporters Antonio Russo wurde am 16. Oktober auf einer Straße 80 Kilometer nordöstlich von Tbilisi aufgefunden. Eine Autopsie ergab schwere Schläge auf die Brust als Todesursache. Außerdem wurde Russos Appartment in Tbilisi durchsucht, sein Laptop und mehrere Videokassetten gestohlen. Der 40-jährige Krisenberichterstatter arbeitete für den italienischen Sender Radio Radicale, dem Nachrichtensender der italienischen Radikalen Partei. Zuletzt berichtete er ausführlich über den Krieg in Tschetschenien. Nach Angaben des georgischen Kriminalamts könnte der Mord mit dieser Berichterstattung zu tun haben.

Tschetschenien:

Der Kameramann Adam Tepsurgajev ist neben Antonio Russo, Iskandar Khatloni und Alexander Yefremow bereits der vierte Journalist, der in den letzten sechs Monaten im Zusammenhang mit dem Konflikt in Tschetschenien ums Leben kam. Der 24-jährige, der unter anderem für Reuters arbeitete, wurde am 21. November in Alkhan-Kala, 10 Kilometer südlich von Grozny, von Unbekannten erschossen. Tepsurgajevs Bruder, der während des Angriffs schwer verletzt wurde, behauptete, dass es sich bei den Männern um tschetschenische Befreiungskämpfer handelte.

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