Rundbrief 37, Oktober 2000ROG Homepage
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In den vergangenen zwei Monaten starben sechs Journalisten

Chronik der Opfer

Indien, 20. August:

Thounaojam Brajamani Singh, Redakteur der englischsprachigen Tageszeitung Manipur News in Imphal (Hauptstadt von Manipur, der östlichsten Provinz Indiens), wird kurz nach Verlassen seines Redaktionsbüros von zwei Unbekannten erschossen. Fünf Tage zuvor hatte er anonyme Morddrohungen erhalten, woraufhin er am Tag vor seiner Ermordung in einem Leitartikel diese Leute aufforderte, die Drohungen einzustellen. Der 68-jährige, u.a. auch Präsident des Journalistenverbands von Manipur, ist bereits der dritte Journalist, der in Indien seit Juli dieses Jahres ermordet wurde.

>DR Kongo, 5. September:

Der freiberufliche Kameramann Crispin Kandolo wird aus dem Hinterhalt heraus im Kahuzi Biega Park, im Osten der DR Kongo, ermordet. Der Osten des Landes steht weitgehend unter der Kontrolle der Demokratischen Vereinigung Kongos (RCD), die seit 1998 gegen Diktator Laurent Kabila und seine Verbündeten, die Interahamwe-Milizen, rebellieren. Laut RCD sind Interahamwe-Milizen für den Mord verantwortlich. Kandolo arbeitete an einer Dokumentation über ein Projekt der UNESCO zur friedlichen Lösung der Konflikte zwischen den verfeindeten Gruppen.

Kolumbien, 9. September:

Carlos Restrepo, Leiter der Tageszeitung Tangente, wird in San Luis (300 km südöstlich von Bogotá) tot aufgefunden. Sein Körper wies mehrere Schusswunden auf (siehe Seite 4).

Kosovo, 10. September:

Zwei Unbekannte schiessen Shefki Popova, Journalist der Zeitung Rilindja, in der mehrheitlich von Albanern bewohnten Stadt Vucitrn nieder und stechen anschließend auf ihn ein. Popova arbeitete über 25 Jahre für diese älteste albanischsprachige Tageszeitung im Kosovo. Das Blatt steht der Demokratischen Liga Kosovo nahe; in den letzten Monaten wurden einige ihrer Parteimitglieder überfallen, ein führender Politiker der Partei getötet. Popova ist der erste Journalist, der seit der Einrichtung des UN-Mandats im Kosovo ermordet wurde.

Russland, 21. September:

Unbekannte dringen in die Wohnung von Iskandr Khatloni in Moskau ein und schlagen mit einer Axt auf den Korrespondenten für Radio Free Europe / Radio Liberty ein. Er erliegt in der selben Nacht im Moskauer Botkin-Krankenhaus seinen Verletzungen. Khatloni arbeitete seit 1996 für den tadschikischen Dienst des von der US-Regierung geförderten Radiosenders. Außerdem, so ein Pressesprecher von RFE/RL, hatte er auch an Reportagen über Menschenrechtsverletzungen der russischen Armee in Tschetschenien gearbeitet. Ein Sprecher des russischen Informationsministeriums hatte Anfang des Jahres geäußert, RFE/RL sei feindlich gegenüber dem russischen Staat eingestellt.

Sambia, 3. Oktober:

Nach Angaben der sambischen Polizei wird die Leiche von Antonio Paciencia im Fluss Sambesi gefunden. Der Redakteur des staatlichen angolanischen Radiosenders Radio Nacional de Angola war seit dem 30. September verschwunden. Zusammen mit anderen Journalisten hatte er im Rahmen einer Initiative des UNHCR mehrere Flüchtlingslager im angolanisch-sambischen Grenzgebiet besuchen wollen. Angeblich wies die Leiche keine Spuren von Gewaltanwendung auf, die Polizei geht von Selbstmord aus. Sollten aber andere Anhaltspunkte auftauchen, werde man diesen nachgehen. Nach von der Nachrichtenagentur Reuters zitierten "diplomatischen Quellen” sei es für Paciencia riskant gewesen, ein von UNITA-Rebellen dominiertes Lager zu besuchen.

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