Rundbrief 36, August 2000ROG Homepage
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Philippinen/Jolo:

Falle für "Sensationsjournalisten" ?

Lösegeld stellt eine enorme Einnahmequelle zur Finanzierung der Guerillagruppen auf den Phillippinen dar. 5,6 Millionen US-Dollar sollen seit Beginn des Geiseldramas auf der Insel Jolo vor allem für den Freikauf von Journalisten geflossen sein. Nach der Freilassung des Spiegel-Reporters Andreas Lorenz am 27. Juli befinden sich noch immer drei französische Fernseh-Journalisten von France 2 in Gefangenschaft.

Die Journalisten auf Jolo sehen sich zunehmend in einer schwierigen Situation: Einerseits gilt es als notwendig, die Öffentlichkeit über die Situation der Geiseln zu informieren. Unterlassenene Berichterstattung bedeutet für die Geiseln womöglich, dass sie für die Entführer ihren "Wert" in Form öffentlicher Aufmerksamkeit verlören, was dazu führen könnte, dass sie misshandelt oder sogar getötet werden.

Andererseits haben die Geiselnehmer erkannt, dass entführte Journalisten für sie eine enorme Einnahmequelle darstellen. Das so erhaltene Geld wird zur Aufrüstung der Kämpfer verwendet. So erhöhte sich die Zahl der bewaffneten Rebellen innerhalb von drei Monaten von etwa 100 auf rund 3000. Reporter ohne Grenzen verurteilte in zwei Pressemitteilungen jede Geiselnahme oder Erpressung von Journalisten und forderte , dass Journalisten auch in innerstaatlichen Konflikten gemäß der Genfer Konvention als zu schützende Zivilpersonen angesehen werden.

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