Rundbrief 34, April 2000ROG Homepage
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Tschetschenien:

Weiteres Entführungsopfer

Reporter ohne Grenzen fordert Freiheit für Brice Fleutiaux

Brice Fleutiaux, freier Fotograf aus Frankreich, wird seit über 200 Tagen in Tschetschenien vermisst. Mit einer Ausstellung seiner Arbeiten im Pariser ěHaus der Fotografie" machten Reporter ohne Grenzen und Fotografen aus Toulouse auf sein Schicksal aufmerksam.

Am 1. Oktober 1999 traf Fleutiaux in Tschetschenien ein, um Kontakt mit dem tschetschenischen Präsidenten in Grosny aufzunehmen. Seitdem gibt es keine gesicherten Informationen über seinen Verbleib. Vermutlich ist Fleutiaux von Rebellen entführt worden und befindet sich möglicherweise in der Nähe der georgischen Grenze. In dieser Region dauern die Kämpfe zwischen tschetschenischer Guerilla und russischem Militär an.

Der russische Geheimdienst veröffentlichte am 31. Oktober eine Videokassette und ein Schreiben Fleutiaux', worin er geäußert haben soll: "Ich befinde mich in einem Keller ohne Licht, Elektrizität und Fenster. Meine Bewacher kommen zu jeder Zeit und schlagen mich mit ihren Waffen. Letzte Woche ging es mir sehr schlecht. Die Bedingungen sind unerträglich. Unternehmt schnell etwas."

Danach erhielt die Familie über das französische Außenministerium drei weitere Lebenszeichen: zwei handschriftliche Notizen vom 26. November und 19. Januar 2000 sowie eine weitere Nachricht auf Video von Mitte Dezember, nach der sich der Gesundheitszustand des Fotografen verbessert haben soll. Im Exil lebende Tschetschenen behaupten, der Fotograf sei Ende Januar freigelassen worden, könne aber die Region auf Grund der Kämpfe nicht verlassen.

Brice Fleutiaux wurde 1967 in Toulouse geboren. Seine fotografische Karriere begann 1989 in Kambodscha während des Rückzuges der vietnamesischen Truppen. Er berichtete aus Indien, Bangladesch, Vietnam sowie aus Jugoslawien. Zwischen 1990 und 1992 arbeitete er von Bangkok aus für die englische Nachrichtenagentur Reuters. Auch die französischen Agenturen Cosmos, Vu und Sipa veröffentlichten seine Bilder. Während eines dreijährigen Aufenthaltes in Rumänien war er maßgeblich am Aufbau einer Zeitung beteiligt. Er ist verheiratet und hat eine vierjährige Tochter.

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