Rundbrief 34, April 2000ROG Homepage
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Algerien:

Medien unter strikter Kontrolle

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Präsident Abdelaziz Bouteflika ist die Pressefreiheit in Algerien keineswegs gewährleistet. Während der Präsidentschaftswahlen hatte er sich zudem abfällig über die Presse des Landes geäußert und Journalisten als "Schwätzer" ("tayabet el hammam") bezeichnet.

Trotz des Prozesses der "nationalen Aussöhnung" haben - zumeist bewaffneten islamistischen Gruppen zugeschriebene - Überfälle stattgefunden, bei denen nach Presseberichten mehr als 1000 Menschen sterben mussten. Auch wenn in den letzten drei Jahren Journalisten von Attentaten verschont blieben, wirkt sich das Klima der Angst, Folge des blutigen Bürgerkriegs über zehn Jahre, dem 57 Journalisten und 30 weitere Medienmitarbeiter zum Opfer fielen, nachteilig auf die Informationsfreiheit aus. Orte, an denen Massaker stattgefunden haben, stehen unter militärischer Überwachung und weder einheimische noch ausländische Journalisten dürfen dort selbst recherchieren.

Die audiovisuellen Medien stehen vollständig unter staatlicher Kontrolle, und bei den privaten Printmedien kann man nicht von tatsächlicher Unabhängigkeit sprechen, weder in finanzieller noch in redaktioneller Hinsicht. Zumeist dienen sie als Sprachrohr der Interessen ihrer Eigentümer, die den jeweils verschiedenen "Clans" an der Macht nahe stehen. Die einzige private Druckerei wurde geschlossen, es gibt nur staatliche Druckereien. Auch die Papierpreise sind staatlich reguliert, zudem werden 80% der Anzeigen von staatlichen Stellen vergeben - ein "geschlossenes System", das kritischen Zeitungen ökonomisch zum Verhängnis werden kann und viele Redaktionen zur Selbstzensur nötigt.

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