Rundbrief 33, Februar 2000ROG Homepage
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Wo ist Babitskij?

ROG protestiert vor der russischen Botschaft in Berlin

Reporter ohne Grenzen vor der russischen Botschaft

Am 14. Februar machte Reporter ohne Grenzen vor der russischen Botschaft in Berlin auf das nach wie vor ungeklärte Schicksal des russischen Journalisten Andreij Babitskij aufmerksam, der sich am 15. Januar zum letzten Mal aus Tschetschenien gemeldet hatte.

Etwa zwanzig Mitglieder waren zum Botschaftsgebäude Unter den Linden gekommen. "Journalisten sind keine Austauschgeiseln!" so der Protest, falls der Korrespondent von Radio Free Europe tatsächlich, wie vom russischen Innenministerium behauptet, gegen gefangene russische Soldaten ausgetauscht worden ist. Die Organisation übergab Botschaftsrat Viktor F. Koslikin einen an Botschafter Krylow gerichteten Brief, der von der Moskauer Regierung rückhaltlose Aufklärung fordert, um gesicherte Erkenntnisse über die Vorgänge sowie einen nachprüfbaren Beweis über den Aufenthaltsort Babitskijs zu erhalten.

In dem halbstündigen Gespräch mit Botschaftsrat Koslikin forderte die ROG-Delegation nicht nur Schutz für Babitskij und die Aufklärung seines Schicksals, sondern protestierte auch gegen die weiter zunehmenden Beschränkungen der Berichterstattung im Tschetschenienkrieg.

Koslikin verteidigte dies als "notwendig" für den Schutz der Journalisten. Der Fall Babitskij sei "sehr kompliziert", die Nachrichtenlage noch unklar und die "Meinungen in der russischen Gesellschaft darüber geteilt". Er gehe davon aus, dass der Journalist sich freiwillig gegen russische Soldaten habe austauschen lassen. Eine Verletzung der Genfer Konvention liege nicht vor, denn man führe keinen Krieg in Tschetschenien, sondern bekämpfe Terroristen. ROG wies darauf hin, dass ein Austausch in die Hände von maskierten Unbekannten - wie in einem Video veröffentlicht - auf jeden Fall rechtswidrig und eine Verletzung der Genfer Konvention ist.

In Paris hatten Mitarbeiter des Internationalen Sekretariats bereits am 10. Februar vor der russischen Botschaft protestiert. Auch dort hatte ein halbstündiges Gespräch mit einem Botschaftsvertreter keine gesicherten Erkenntnisse gebracht.

Alle Meldungen im Fall Babitskij sind widersprüchlich. Die beiden in der Öffentlichkeit aufgetauchten Videos unbekannten Ursprungs beweisen weder, ob Babitskij noch lebt, noch wo er ist. Rund 30 russische Zeitungen widmeten daher am 16.2. ihre Ausgaben seinem Schicksal. Die EU hat am 17. 2. ihre tiefe Besorgnis geäußert und von den Konfliktparteien sofortige Aufklärung angemahnt.

Auf Berichte, der Korrespondent des amerikanischen Senders Radio Free Europe sei von russischen Truppen verhaftet und gegen gefangene russische Soldaten ausgetauscht worden, folgten ebenso Dementis wie auf Behauptungen, er befinde sich in Gewalt der Armee, des Geheimdienstes oder tschetschenischer Rebellen. Am 18.2. vermeldete die Moskauer Zeitung Komsomolskaja Prawda, nach Angaben des russischen Geheimdienstes FSB sei Babitskij in der Hand tschetschenischer Rebellen, die von Radio Free Europe Lösegeld verlangen würden. Der Sender weist diese Darstellung zurück.

 

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