Rundbrief 33, Februar 2000ROG Homepage
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Gambia :

Geschenke oder Gefängnis

Vier Jahre nach dem Militärputsch von Hauptmann Yahya Jammeh ist es um die Pressefreiheit im westafrikanischen Gambia ebenso schlecht bestellt wie um die Menschenrechte allgemein.

Ein Bericht von ROG-Mitglied Thea A. Struchtemeier.

Cherno A. Jallow, ehemaliger Herausgeber des Daily Observer und jetzt Vorsitzender des Presseverbands GPU, sieht seine journalistische Aufgabe als "Buchhalter der Menschenrechte": "Seitdem das türkische Militär unter dem Vorwand von Ausbildungsmaßnahmen in Gambia immer mehr Fuß fasst, haben sich auch die Foltermethoden verändert". Jallow berichtet, Häftlingen seien Stoffsäcke über Kopf und Körper gestülpt worden, damit Verletzungen nicht sichtbar werden, oder sie seien mit dem Kopf nach unten aufgehängt worden. Türkische Soldaten seien an Verhaftungen beteiligt gewesen.

Zeitungen müssen in Gambia 10.000 Dollar als eine Art Kaution hinterlegen. "Die Regierung nimmt Zeitungsmacher als Geisel", so Jallow. Das Justizministerium plant zudem, Redakteure mit ihrem Privatvermögen haftbar zu machen.

Schon seit langem werden kritische Medien auch mit finanziellen Mitteln drangsaliert: Beispiele sind der privater Radiosenders Citizen FM und die Zeitung New Citizen Newpaper. Sie wurden im Februar 1998 geschlossen; der Besitzer Baboucar Gaye hatte angeblich die fälligen Gebühren nicht bezahlt. Einen Tag zuvor hatte Citizen FM einen Bericht über Korruptionsverdacht gegen einen hohen Beamten des Geheimdienstes NIA gesendet.

Gaye wurde verhaftet und im August '98 zu einer Geldstrafe (ca. 30 Dollar) verurteilt, die Sendeausrüstung blieb beschlagnahmt. "Jetzt hausen Soldaten in meinem Sender. Ich komme nicht an meine Arbeitsgeräte," sagt er und erklärt, wie wichtig ein unabhängiger Sender für die Meinungsbildung in einem Land ist, in dem nur die wenigsten Menschen lesen können.

Wer sich dagegen regierungskonform verhält, so der Presseverband-Vorsitzende Jallow, kann mit Geschenken rechnen. Die Machthaber versuchten immer wieder, Pressevertreter "mit Autos zu bestechen und auf ihre Seite zu ziehen". Aber, so sagt er zuversichtlich, "es gibt Kollegen, die haben eine gemeinsame Vision, sich Korruption und Folter zu widersetzen und für die Pressefreiheit einzustehen."

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