Rundbrief 32, Dezember 1999ROG Homepage
ArchivIndexVolltextsucheweiter

Paris/Birma:

Daw San San Nweh erhält den Menschenrechtspreis 1999

Am 10. Dezember wurde in Paris der Menschenrechtspreis von Reporter ohne Grenzen an die Journalistin und Schriftstellerin San San Nweh verliehen. Eine internationale Jury verleiht den mit 50 000 Francs (ca. 15 000 DM) dotierten Preis alljährlich an Journalistinnen und Journalisten, die sich um die Pressefreiheit in ihrem Land verdient gemacht haben.

San San Nweh kann den Preis nicht selbst entgegennehmen: Sie wurde am 5. August 1994 in der birmesischen Hauptstadt Rangoon verhaftet und zwei Monate später zu insgesamt zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sieben Jahre Haft erhielt sie wegen "Verbreitung von Informationen zum Schaden des Staates". Weitere drei Jahre wurden verhängt, weil San San Nweh im April 1993 gegenüber französischen Journalisten "parteiliche Auffassungen" geäußert habe. Auch "Beschaffung von Informationen über die Situation der Menschenrechte für den Sonderbotschafter der Vereinten Nationen für Birma" wurde ihr zur Last gelegt.

Die heute 54-jährige leidet unter den menschenunwürdigen Bedingungen in den birmesischen Gefängnissen. Im Insein-Gefängnis von Rangoon war sie jahrelang Isolationshaft und Folter ausgesetzt und erlitt Erkrankungen der Leber und der Augen. Vor kurzem wurde sie in das 150 km von Rangoon entfernte Gefängnis von Tharradaway verlegt. Unterstützer, die ihr trotz dieser erschwerten Bedingungen Geld oder Lebensmittel zukommen lassen wollten, wurden vom birmesischen Geheimdienst bedroht.

In Birma sitzen zurzeit 13 Journalistinnen und Journalisten meist langjährige Haftstrafen ab. Damit nimmt die international geächtete Junta den traurigen ersten Platz in der weltweiten Statistik von Reporter ohne Grenzen ein. Die inhaftierten Journalisten leiden ebenso wie rund 2000 politische Häftlinge im Land unter den extrem harten Haftbedingungen. Der Journalist U Saw Win starb im August 1998 im Gefängnis, und erst im vergangenen September wurde der 43-jährige Fotograf U Thar Win nach einer Razzia gegen die Regierungszeitung Kyemon zusammen mit rund 20 Kolleginnen und Kollegen verhaftet und starb wahrscheinlich - eine endgültige Bestätigung steht noch aus - im Polizeigewahrsam (s. "Chronik der Opfer", S. 2). Der weltbekannte Journalist und Intellektuelle U Win Tin kämpft seit Jahren im Gefängnis gegen den Tod.

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ Homepage | Aktuell | Archiv | Volltextsuche | Rundbrief 30 | weiter ]

© Reporter ohne Grenzen e.V.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/