Rundbrief 32, Dezember 1999ROG Homepage
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In den vergangenen zwei Monaten starben 10 Journalisten

Chronik der Opfer

Birma:

Am 25. September stürmten Sicherheitskräfte die Räume der staatseigenen Zeitung Kyemon in Rangoon, nachdem das Blatt ein Foto des Generals Khin Nyunt unter der Überschrift "Der weltberühmte Gauner" gedruckt hatte. Berichten zufolge wurden mindestens 20 Mitarbeiter verhaftet. Zwei Tage später erhielt die Familie von U Thar Win, Fotograf und Layouter der Zeitung, die Nachricht, ihr Verwandter sei in der Haft gestorben. Erst am 12. Oktober gab die Regierung eine offizielle Erklärung ab und dementierte die Berichte. Eine Klärung steht noch immer aus.

Indien:

Am 10. Oktober wurde N. A. Lalrohlu, Herausgeber der Zeitung Shan, zusammen mit drei anderen Personen von einer militanten Gruppe im Bundesstaat Manipur entführt und ermordet. Shan hatte die brutalen Milizen wiederholt kritisiert. Beobachter sehen in dem Mord eine Warnung an alle kritischen Journalisten. Alle Zeitungen in Manipur stellten aus Protest ihr Erscheinen einen Tag lang ein.

Türkei:

Ahmed Taner Kislahi, Politikwissenschaftler und Kolumnist für Cumhuriyet, wurde am 21. Oktober bei der Explosion einer Bombe getötet, die an seinem Auto angebracht war. Zu dem Anschlag auf den kemalistischen Hardliner soll sich die "Große Östliche Islamistische Angriffsfront" bekannt haben, doch andere Beobachter halten auch eine Intrige der Sicherheitsdienste für möglich.

Nigeria:

Am 5. November wurde Samuel Boyi, Redakteur der Regierungszeitung des Adamawa-Staates, bei einem bewaffneten Angriff auf die Autokolonne des Gouverneurs von Adamawa, Haruna Bonnie, getötet. Ein weiterer Journalist wurde verletzt.

Sri Lanka:

Atputharajah Nadarajah, Redakteur der Wochenzeitung Thinamurasu und Parlamentsmitglied für die oppositionelle "Demokratische Volkspartei von Eelam", wurde am 9. November von einem Unbekannten ermordet. Die Thinamurasu hatte den moderaten Flügel der separatistischen "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) unterstützt, deren Kampf gegen die Armee sich während der letzten Monate wieder verschärft hat.

Tschetschenien:

Soupian Ependiev, Mitarbeiter der Lokalzeitung Ishkerya, wurde am 29. Oktober während der Bombenangriffe auf die tschetschenische Hauptstadt Grosny getötet.

Razman Mejdov, freier TV-Journalist, wurde während eines Bombenangriffs auf einen Flüchtlingskonvoi getötet. Berichten zufolge war auch sein Kollege Shamil Yegayev, Kameramann für den TV-Sender Nokh Cho in Grosny, unter den Opfern.

Unklar ist das Schicksal des französischen Fotografen Brice Fleutiaux, der nach Berichten des russischen Geheimdienstes FSB von einer bewaffneten tschetschenischen Gruppe entführt wurde. Gleiches gilt für den russischen Journalisten Dimitry Balburov, dessen Auftraggeber, die Moskovskiye Novosti, seit dem 4. Oktober ohne Nachricht von ihm ist.

Kolumbien:

Die Leichen von Luis Alberto Rincón, freier Journalist und Besitzer einer eigenen kleinen Produktionsfirma und seinem Kameramann Alberto Sánchez Tovar wurden am 28. November nahe der Kleinstadt El Playón aufgefunden. Die Journalisten hatten an einem Bericht über den lokalen Wahlkampf gearbeitet. Sie wurden mit Pistolenschüssen ermordet, ihre Ausrüstung geraubt. Die Polizei vermutet in dem Diebstahl allerdings ein Ablenkungsmanöver und nennt die paramilitärische AUC (Autodefensas Unidas de Colombia) als mutmaßliche Verantwortliche für den Doppelmord.

Am 4. Dezember wurde die Leiche von Pablo Emilio Medina, Kameramann des Lokalsenders TV Garzóna, an der Straße von Gigante nach Garzón (260 km südlich von Bogotá) gefunden. Nach Angaben der Polizei hatte er über eine Offensive der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) in der Region berichten wollen und war dabei von den Guerilleros erschossen worden.

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