Rundbrief 31, Oktober 1999ROG Homepage
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Kolumbien:

Journalisten auf der Abschussliste

Nachdem am 13. August der Satiriker Jaime Garzón erschossen wurde (Rundbrief Nr. 30), fiel nur knapp einen Monat später ein weiterer Journalist einem Anschlag zum Opfer: Guzmán Quintero Torres, Chefredakteur der Zeitung El Pilón und Mitarbeiter des regionalen Fernsehsenders Telecaribe, wurde am 16. September in Valledupar in der Region Cesar ermordet. Quinterro Torres war Vizepräsident der Journalistenvereinigung von Valledupar und Korrespondent für die kolumbianische Fundación parra la Libertad de Prensa (Stiftung für die Pressefreiheit). 1996 hatte er von in der Region operierenden Paramilitärs mehrere Morddrohungen erhalten, weil er - damals Korrespondent der Zeitung El Heraldo - über Massaker an Zivilisten berichtet hatte.

Auch verschiedene Rebellengruppen kommen als Verantwortliche für den Mord in Frage. So tauchte am 23. August in der Haupstadt Bogotá eine Schwarze Liste der Guerillagruppe "Ejercito Rebelde Colombiano" (ERC) mit den Namen von Politikern, Menschenrechtlern, Mitarbeitern der Staatsanwaltschaft und auch Journalisten auf, die sich für die Wiederbelebung des Friedensprozesses in Kolumbien eingesetzt hatten. Quinterro Torres' Name war auf dieser Liste allerdings nicht vertreten.

Nur kurze Zeit später wurde in Bogotá, Cali und Medellin ein von der "Ejército de Liberación Nacional" (ELN) unterzeichnetes Flugblatt verbreitet, in dem 21 Journalisten und Intellektuelle namentlich genannt und bedroht wurden. Auch Jaime Garzón hatte vor seiner Ermordung Drohungen erhalten - mutmaßlich von Paramilitärs, weil er einer Sonderkommission beigetreten war, die zwischen Regierung und ELN vermitteln wollte.

Dem seit Ende der achtziger Jahre tobenden Konflikt zwischen den Streitkräften und ihren paramilitärischen Verbündeten sowie den sich auch untereinander bekämpfenden Rebellengruppen sind bereits mehr als 30.000 Menschen zum Opfer gefallen. 52 Journalisten wurden in den letzten zehn Jahren ermordet, mehr als in jedem anderen südamerikanischen Land. Neben Berichten über politisch motivierte Gewalt sind vor allem Recherchen zur organisierten Kriminalität ein lebensgefährliches Gebiet für Journalisten.

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