Rundbrief 31, Oktober 1999ROG Homepage
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/Kosovo:

Mut zur Wahrheit

Die Telefone der Nezavisne Novine, der größten Tageszeitung in der bosnischen "Republika Srpska", standen nicht mehr still, nachdem die Redaktion ihre Leser mit einem unerhörten Tabubruch konfrontiert hatte: Das Blatt berichtete über ein Massaker bosnischer Serben an rund 200 gefangenen Moslems, die im August 1992 in der Nähe der Stadt Tavnik ermordet worden waren. Der Artikel zitierte einen Überlebenden der Bluttat, zählte die verschiedenen Beweise für die Anschuldigungen auf und fragte, warum niemand für das Verbrechen zur Verantwortung gezogen wurde. Die Folgen ließen nicht auf sich warten: Chefredakteur Zeljko Kopanja erhielt nicht nur wüste Beschimpfungen, sondern auch Morddrohungen, wie das Londoner Institute for War & Peace Reporting (IWPR) berichtete.

Ähnliche Mechanismen wirken im Kosovo. Die beiden Journalisten Veton Surroi und Baton Haxhiu, Herausgeber bzw. Chefredakteur der Tageszeitung Koha Ditore, wurden von der durch die UCK kontrollierten Nachrichtenagentur Kosova Press als "Spione im Sold des Milosevic-Regimes" tituliert. Veton Surroi, während des Kosovo-Kriegs auf der Flucht vor der serbischen Armee, hatte kürzlich die Verfolgung der serbischen Minderheit im Kosovo als Schritt in "das faschistische Spektrum" bezeichnet. Die öffentliche Verurteilung durch die UCK wertet er "als eine Aufforderung, Haxhiu und mich zu töten."

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