Rundbrief 30, August 1999ROG Homepage
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ROG-Gast aus der Türkei

Für eine Weile in Sicherheit

Der kurdischstämmige türkische Journalist und Buchautor Ahmet Kahraman, der auf Einladung von Reporter ohne Grenzen nach Deutschland kam, kann ein wenig aufatmen. Auf unseren Antrag hin ist er in das neugeschaffene Programm "Writers in Exile" aufgenommen worden. ROG hat seit April seinen Lebensunterhalt finanziert - mit Unterstützung durch "Journalisten helfen Journalisten", den Hilfsverein der Deutschen Presse sowie durch Spenden, vor allem der Autorenhonorare der ZEITmagazin-Serie "Mein Foto des Jahrhunderts".

Das Programm, zu dessen ersten Teilnehmern Kahraman gehört, bietet ausländischen Autoren in Berlin, Köln, Hamburg und Frankfurt für zwei bis drei Jahre Wohnung, Unterhalt und vor allem die Möglichkeit zu schreiben. Die Perspektive, nicht nach einem Jahr zurück zu müssen, ermöglicht es, wieder zur Ruhe zu kommen und arbeiten zu können. Damit verliert die Bedrohung, der die meisten in den jeweiligen Heimatländern ausgesetzt sind, ein wenig an Gewicht.

Wie Reporter ohne Grenzen im April-Rundbrief berichtete, hatten wir Kahraman für ein Jahr nach Deutschland eingeladen, weil er mehrfach Morddrohungen erhalten hatte; sein Haus wurde beobachtet, er selbst verfolgt. Zuletzt hatte er ein Buch über die Beteiligten an der "Sursuluk"-Affäre veröffentlicht. In dem sowohl in der Türkei wie auch im Ausland berühmt und berüchtigt gewordenen Verkehrsunfall in den Bergen bei Sursuluk waren Verbindungen zwischen der früheren türkischen Ministerpräsidentin Tansu Ciller, führenden ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern und Mafia-Grössen offenbar geworden.

Bis auf Ciller haben alle im Buch Erwähnten Kahraman verklagt. In den ersten Prozessen, die nach seiner Ankunft in Deutschland in Abwesenheit stattfanden, ist er zu horrenden Geldbußen von mehreren Hunderttausend Mark verurteilt worden - völlig klar, was ihn bei seiner Rückkehr erwartete, sollte er nicht zahlen...

Am 5. Mai hatte der Kultur-und Medienbeauftragte der Bundesregierung, Staatsminister Michael Naumann, die Presse über einen neugeschaffenen Fonds zur "Hilfe für verfolgte, in Deutschland im Exil lebende Künstler und Autoren" informiert. Das P.E.N.-Zentrum und das Writers in Prison Committee hatten dieses Modell für eine längerfristige Absicherung konzipiert.

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