Rundbrief 24, August 1998ROG Homepage
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Serbien:

Belgrads Probleme mit den Kosovo-Reportern

Kommentar von Dietrich Schlegel

Belgrad reagiert zunehmend dünnhäutiger auf die Berichterstattung ausländischer Reporter aus dem Kriegsgebiet im Kosovo. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage wurden jetzt deutsche Journalisten ausgewiesen. Der Vorwurf: manipulierte Berichterstattung.

Merkwürdig ist, daß es sich bei dem Reporter Friedhelm Brebeck, den es diesmal getroffen hat, um einen Journalisten mit langjähriger Erfahrung als Berichterstatter aus dem früheren und heutigen Jugoslawien sowie aus Bosnien handelt (...). Daß seine Beiträge aus dem Kosovo von albanischer Seite eher als serbenfreundlich empfunden wurden, spricht nur für sein Bemühen um Objektivität. Und ihm und seinem Team wird nun von den jugoslawischen Behörden vorgeworfen, mit manipulierten Bildern von selbst angezündeten Häusern in dem Dorf Junik einen vorgeblichen Angriff serbischer Polizeistreitkräfte inszeniert zu haben.

Dieser Vorwurf erscheint seinerseits manipuliert. Möglicherweise wurde er erhoben aus Verärgerung über die Abweisung einer Klage Jugoslawiens gegen die tageszeitung, in welcher der ebenfalls zur "unerwünschten Person" erklärte deutsche Reporter und Jugoslawien-Kenner Erich Rathfelder über vermutete Massengräber mit albanischen Opfern im Kosovo berichtet hatte. Von den Einzelheiten der Vorfälle abgesehen, läßt sich feststellen, daß die jugoslawischen Behörden immer empfindlicher auf die Berichterstattung ausländischer, insbesondere deutscher und österreichischer Medien vom Schauplatz Kosovo reagieren. Ohnehin wird den ausländischen Reportern die Arbeit vor Ort von der Obrigkeit nicht gerade leichtgemacht. Es ist eine alte Erfahrung: Wer die Medien- und Meinungsfreiheit behindert oder verletzt, hat etwas zu verbergen. Daß Jugoslawien im Kosovo-Konflikt seine kriegerischen Aktionen, erst recht jedoch deren Folgen wie die Zerstörung ganzer Dörfer und die Massenflucht der albanischen Bewohner nicht vor aller Welt präsentiert sehen möchte, liegt auf der Hand. Durch die spektakuläre Ausweisung von Reportern erreichen die Behörden jedoch das Gegenteil. Die Welt schaut noch genauer auf das, was dort im Kosovo geschieht.

(gekürzte Fassung eines Beitrags für das Südost-Europaprogramm der Deutschen Welle v. 18. 7.)

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