Rundbrief 24, August 1998ROG Homepage
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Gute Nachrichten:

Nigeria:

Am 15. Juni wurde Christine Anyanwu aus dem Gefängnis entlassen, wenig später hatte die ROG-Geschäftsstelle ein erstes Telefongespräch mit ihr. Es geht ihr - angesichts der dreijährigen Haft unter schlimmsten Bedingungen - gesundheitlich gut. Inzwischen reiste sie zu ihren Kindern in die USA und hat sich von dort per e-mail in Berlin gemeldet. Sie ließ ihren Dank an alle ausrichten, die sich während der letzten drei Jahre für sie und andere in Nigeria inhaftierte Journalisten eingesetzt haben. Neben Christine Anyanwu kamen auch ihre Kollegen Ben Charles Obi, George Mbah, Kunle Ajibade und Adetokunbo Fakeye frei. Noch immer sind in Nigeria aber mindestens sieben Journalisten in Haft (siehe: "Schlechte Nachrichten").

Ägypten:

Von drei Journalisten, deren sofortige Haftentlassung Reporter ohne Grenzen verlangte, sind zwei - Magdi Hussein und Mohammed Hilal - seit Anfang Juli wieder frei.

Rußland:

Nach dem Mord an der Journalistin Larissa Judina, Chefredakteurin der Tageszeitung Sowietskaja Kalmykia in der russischen Republik Kalmykien, scheinen die Staatsanwälte energisch zu ermitteln. Vier Verdächtige wurden festgenommen, außerdem hat die Regierung in Moskau dafür gesorgt, daß die Untersuchung nicht den lokalen Behörden übertragen wurde, was aller Erfahrung nach der Einflußnahme durch die kalmykische Regierung Tür und Tor geöffnet hätte. Angesichts von fast 30 ungeklärten Morden an Journalisten seit 1991 muß dies schon als gute Nachricht gelten.

Schlechte Nachrichten

Kolumbien:

In Valledupar im Nordosten des Landes lauerte ein Attentäter der Journalistin Amparo Jiménez auf, als sie ihren elfjährigen Sohn zur Schule begleitete. Der Angreifer schoß dreimal und entkam anschließend zusammen mit einem Komplizen. Amparo Jiménez war auf der Stelle tot. Die junge Frau arbeitete als Korrespondentin für das Fernsehjournal En Vivo und war außerdem verantwortlich für den Pressedienst der Organisation Redepaz (Zusammenschluß der Initiativen für den Frieden gegen den Krieg). Die Polizei leitete eine Untersuchung ein. Nirgendwo in Lateinamerika sind Journalisten so bedroht wie in Kolumbien: Amparo Jiménez ist bereits das zehnte Todesopfer seit Januar 1997.

Nigeria:

Nach den zahlreichen Nachrichten über die Entlassung politischer Gefangener gerät eine Tatsache in Vergessenheit: In Nigeria sind nach wie vor zahlreiche Menschen aus politischen Gründen in Haft, darunter auch die Journalisten Niran Malaolu, Joshua Ogbonna, Denatus Njoku, Moshod Fayemiwo, Okina Deesor, John Edward und Ganiye Adeoye.

China:

Nach der Verhaftung von Hu Liping sind in China insgesamt 13 Journalisten inhaftiert.

Kamerun:

Dem im April dieses Jahres zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilten Pius Njawé wird angemessene medizinische Versorgung verweigert, obwohl bereits im Mai vom Arzt des New-Bell-Gefängnis und einem weiteren Mediziner nach einer Untersuchung eine Behandlung von mindestens einem Monat Dauer empfohlen worden war. Der Direktor des Gefängnisses hat die erforderliche Genehmigung verweigert. Pius Njawé und auch Angehörige seiner Familie erhielten außerdem Morddrohungen von Unbekannten, wie westliche Diplomaten berichteten. Der Journalist war wegen des Berichts über eine Herzattacke des Präsidenten Paul Biya verurteilt worden, die dieser während eines Fußballspiels erlitten hatte. Njawé erklärte bereits während seines Gerichtsverfahrens, daß dieselben Personen aus dem Umfeld des Präsidenten, von denen er diese Information erhalten hatte, nun seine Verfolgung betrieben.

Zahlen

zur Situation der Pressefreiheit für den Monat August

Getötete Journalisten 0
Vorübergehende Festnahmen 28
Inhaftierte Journalisten 87
Erscheinungs-/ Sendeverbote 52
Seit Januar 1998 wurden 7 Journalisten ermordet

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