Rundbrief 24, August 1998ROG Homepage
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Algerien:

Todesurteil für Ali Bensaad

Am 7. Juli dieses Jahres wurde der algerische Journalist Ali Bensaad in Constantine - in Abwesenheit, bei einem Prozeß ohne Einbeziehung eines Rechtsbeistands und unter Ausschluß der Öffentlichkeit - zum Tode verurteilt: wegen angeblicher Zugehörigkeit zu einer terroristischen Bewegung und angeblicher Beteiligung an einem Massaker in der Nacht vom 28. zum 29. August 1996. Zu diesem Zeitpunkt lebte Ali Bensaad bereits in Deutschland.

Im März 1996 kam Bensaad auf Einladung von Reporter ohne Grenzen nach Hamburg, um an der Veranstaltungsreihe "Pressefreiheit und Menschenrechte in Afrika" mitzuwirken. ROG hatte ihn "aus der Schußlinie geholt" (s. RB 10/April 96), da er nach Aussagen algerischer Sicherheitskräfte von 1995 auf einer Todesliste der islamistischen Terrorgruppe GIA steht und zudem wegen kritischer Artikel und Äußerungen von algerischen Behörden verfolgt wurde. Während seines Deutschlandaufenthaltes verurteilte ihn ein algerisches Gericht zu sechs Monaten Gefängnis wegen "Beleidigung und Verleumdung eines hohen Offiziers", des früheren Geheimdienstchefs und heutigen Präsidentenberaters, General Betchine.

Damit nicht genug. Am 17. Juni '98 veröffentlichte die arabischsprachige algerische Zeitung An Nasr eine vom Justizminister herausgegebene Namensliste angeblicher islamistischer Terroristen, darunter Ali Bensaad, der inzwischen als anerkannter politischer Flüchtling in Hamburg lebt (s. RB 12/August 96).

Bensaad wehrte sich. Sein offener Brief von Mitte Juni, "Appell an die öffentliche Meinung", in dem er die algerische Regierung der Manipulation beschuldigt und Hintergründe dafür aufzeigt, wurde von namhaften französisch- und arabischsprachigen Zeitungen des Landes abgedruckt, in Frankreich bildete sich eine Unterstützergruppe. Die öffentliche Diskussion in Algerien, erst recht nach Bekanntwerden des Todesurteils, zwang die Justizbehörde zur Stellungnahme, so daß schließlich auch die - absurde - Begründung öffentlich gemacht werden mußte.

Reporter ohne Grenzen unterstützte ihren Schützling im Bemühen, Öffentlichkeit herzustellen ebenso wie sich die "Hamburger Stiftung für politisch Verfolgte" für ihren ehemaligen Stipendiaten einsetzte. So berichteten auch einige deutsche Tageszeitungen über den Fall: ein Todesurteil in Abwesenheit für ein in Abwesenheit begangenes Verbrechen ?

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