Rundbrief 21, Februar 1998ROG Homepage
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Iran:

Firuzi-Todesurteil bestätigt

Fast zeitgleich mit der guten Nachricht von der Freilassung Faradsch Sarkuhis erreichte uns am 28. Januar die erschütternde Meldung über das Todesurteil gegen den ehemaligen Chefredakteur der englischsprachigen Iran News, Morteza Firuzi.

Nach Angaben der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA hatte ein Gericht ihn der "Spionage für das Ausland" für schuldig erklärt, allerdings seien Rechtsmittel möglich. Doch am 8. Februar hieß es in Presseberichten der iranischen Zeitungen Jomhuri Islami und Qods, der Oberste Gerichtshof des Iran habe das Urteil bestätigt, die Vollstreckung stünde in Kürze bevor. Jetzt kann Firuzi nur noch auf die Begnadigung durch den religiösen Führer Ayatollah Sayed Ali Khamenei hoffen.

Reporter ohne Grenzen hat sofort nach Bekanntwerden und erneut nach den Meldungen vom 8. Februar gegen das Urteil protestiert und entsprechende Schreiben an den iranischen Staatspräsidenten Chatami, Justizminister Yazdi sowie Ayatollah Khamenei gerichtet. Wir haben uns an das UN-Menschenrechtszentrum in Genf, die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens, Spaniens, Belgiens, der Schweiz und der USA sowie die Europäische Union mit der Bitte gewandt, bei den iranischen Behörden zu intervenieren.

Nach wie vor fordern wir von den iranischen Behörden auch Aufklärung über die genaue Anklage. Es existieren lediglich unbestätigte Presseberichte, nach denen Firuzi für einen "fernöstlichen" Staat oder die USA spioniert haben soll. Auch über Zeit und Ablauf des Prozesses ist nichts in Erfahrung zu bringen. Hingegen gibt es, wie im Fall Sarkuhi, immer wieder Gerüchte. So hieß es noch kurz vor der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, das Todesurteil sei in eine Haftstrafe umgewandelt worden.

Der Fall erscheint um so unbegreiflicher, da Iran News als regierungskonforme Zeitung gilt, die dem Außenministerium nahesteht. Firuzi selbst hatte zudem im Präsidentschaftswahlkampf im Mai letzten Jahres den konservativen Kandidaten Natek-Nuri unterstützt, der aber dem als liberal geltenden Mohammad Chatami unterlag.

Bereits Anfang Dezember wurde der bekannte Journalist, Autor und Verleger Akbar Gandji festgenommen, Mitarbeiter der Monatszeitschrift Kian. Auch für diese Verhaftung gibt es bislang keine offizielle Begründung. Wie dagegen zu erfahren war, verlangen iranische Intellektuelle in einer Petition die Freilassung Akbar Gandjis.

Wer selbst gegen das Todesurteil protestieren will, kann entsprechende Brieftexte (deutsch und englisch) bei der Geschäftsstelle beziehen.

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