Rundbrief 21, Februar 1998ROG Homepage
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Argentinien:

Cabezas - und kein Ende

Am 25. Januar 1997 wurde in der Nähe des Nobel-Badeorts Pinamar der Fotograf José Luis Cabezas ermordet - auf eine Weise, die an die Todesschwadronen zu Zeiten der Militärdiktatur erinnert. Cabezas, Mitarbeiter der Wochenzeitung Noticias, recherchierte über angebliche Verbindungen des Industriellen Alfredo Yabran zum organisierten Verbrechen. Landesweite und internationale Proteste erzwangen die Untersuchung des Mordes und seiner Auftraggeber (siehe Rundbrief 16).

Ein Jahr danach umfaßt die Ermittlungsakte 24.000 Seiten. Zehn Personen wurden festgenommen, darunter Gustavo Prezello, ehemaliger Polizeichef der Provinz Buenos Aires und stellvertretender Chef des Kommissariats von Pinamar, der auf den Fotografen geschossen haben soll und Gregorio Ríos, ein früherer Leibwächter Yabrans, der verdächtigt wird, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Zweimal wurde auch Yabran als Zeuge vernommen. Der Prozeß soll Ende 1998 eröffnet werden.

Am 30. Januar waren die Eltern Cabezas' und ihr Anwalt in Paris Gast einer Pressekonferenz von ROG. Am "Platz der Menschenrechte" wurde ein Kranz niedergelegt. Im März ist, ebenfalls in Paris, eine Ausstellung mit Fotos aus der Internet-Kampagne "Justice for Cabezas" geplant. In Argentinien gingen am Jahrestag des Mordes wieder Zehntausende auf die Straße. Die argentinische Presse wurde in den letzten zwölf Monaten immer wieder Ziel von Todesdrohungen, Überfällen und Attentatsversuchen. In mehr als 60 Fällen sollten kritische Journalisten eingeschüchtert und mundtot gemacht werden.

So hörte Esteban Mac Allister, Vizepräsident der Fotografen-Gewerkschaft ARGRA, am Morgen der Cabezas-Gedenkveranstaltungen auf seinem Anrufbeantworter: "Du bist tot!" Am 27. Januar erhielt die Wochenzeitung Tres Puntos eine telefonische "Nachricht" für ihre Redakteurin Gabriela Cerruti: "Sie soll aufpassen, sie hat ein Ticket für den Friedhof gewonnen!" Cerrutti hatte am 15. Januar ein Interview mit Adolfo Astiz veröffentlicht, in dem der ehemalige Armeeoffizier seine Beteiligung an Entführungen, Folter und Mord während der Militärdiktatur von 1976-83 zugegeben und wörtlich erklärt hatte: "Ich bin der beste Mann in diesem Land, um einen Politiker oder einen Journalisten zu ermorden." Und am 1. Februar feuerten Unbekannte mehrere Schüsse auf die Wohnung von David Leivaba, Direktor der Radiostation Nueva Argentina und der Zweimonatszeitschrift La Opinión. Vorangegangen waren Todesdrohungen per Post und Telefon, nachdem Leveiba Mitte Januar unter anderem über die Verhaftung eines Politikers wegen Kokainbesitzes berichtet hatte.

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