Rundbrief 18, Juli/August 1997ROG Homepage
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Sierra Leone:

Das Militär diktiert

Am 6. August hat Reporter ohne Grenzen bei Major Johnny Paul Koroma, Militärchef in Freetown, gegen die Verhaftungen und Übergriffe auf Journalisten protestiert, die seit dem Militärputsch im Mai massiv zugenommen haben. "Wir erinnern Sie daran, daß die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Verhaftungen als Strafe für friedliche Meinungsäußerung als eins der verwerflichsten Mittel betrachtet, um Stillschweigen zu erzwingen, und als eine schwere Verletzung der Menschenrechte".

Mehr als die Hälfte der einst etwa 40 Publikationen sind nach brutalen Attacken seitens der Militärs nicht mehr erschienen. Dutzendweise wurden Redaktionsräume durchsucht, Ausgaben beschlagnahmt oder verbrannt. JournalistInnen, andere MitarbeiterInnen, Zeitungsverkäufer, selbst BesucherInnen der Zeitungen werden, ob mit oder ohne Angabe von Gründen, Opfer einer Verhaftungswelle und stunden-, tage- oder wochenlang eingesperrt. Kritische, unabhängige Journalisten sind zum Schweigen verdammt oder gehen in den Untergrund.

Von den vielen Vorkommnissen im Juli seien nur einige exemplarisch erwähnt. Am 16. Juli gab die unabhängige Standard Times auf. Chefredakteur Philip Neville sah sich und seine Mitarbeiter ständigen Morddrohungen gegenüber. Victor Sylvah, BBC-Korrespondent, wurde am 14. Juli wegen "Verbreitung niederträchtiger Informationen über die Streitkäfte" verhaftet. (Inzwischen ist er wieder frei.) Am 26. Juli wurden Dominick Lamine und Sahr Mbayoh, Redakteure der privaten Tageszeitung Unity Now, bei einer Durchsuchung der Redaktion zusammen mit zwei Sekretärinnen verhaftet. Die Zeitung hatte gefordert, der "Bewaffnete Revolutionsrat" müsse sofort verschwinden. Die Soldaten suchten nach Frank Kposowa, Herausgeber der Unity Now und Chef der Journalistengewerkschaft in Sierra Leone.

Mbayoh wurde am 28. Juli, Lamini am 2. August freigelassen. Kposowa wird mit Haftbefehl gesucht.

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