Rundbrief 18, Juli/August 1997ROG Homepage
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Kuba:

Schikanen gegen unabhängige BerichterstatterInnen

Für die acht unabhängigen Pressebüros auf Kuba, die sich der staatlichen Zensur nicht beugen wollen, arbeiten etwa 50 Journalisten. Sie schreiben für ausländische Zeitungen in anderen lateinamerikanischen Ländern, in Spanien und Miami. Auch im Internet sind ihre Meldungen zu finden, nicht aber von Kuba aus, denn Kubaner haben keinen Zugang zum Datennetz. Einzig das von der US-Regierung beauftragte Radio Martí sendet Berichte der Unabhängigen nach Kuba. Ihre Meldungen geben die Büros über Telefon nach draußen,denn seit zwei Jahren ist telefonische Direktwahl von Kuba aus möglich. Zu dieser Zeit gründeten sich die ersten unabhängigen Pressebüros. Sie werden von Reporter ohne Grenzen unterstützt, auch finanziell.

Die Welle von Angriffen und Verhaftungen, die seit Ende Mai über kubanischen Oppositionellen und damit auch über den unabhängigen Journalisten zusammenschlägt, wird als Folge der Bombenanschläge auf kubanische Hotels gesehen und, in Vorbereitung des Parteitages im Oktober, als verstärkter Versuch, politische Kritik zum Verstummen zu bringen.

29. Mai:Bei Ricardo Gonzales Alfonso, Cuba Press, wird eine Haussuchung wegen Besitzes unerlaubter Handelsware durchgeführt. Ein Computer, mehrere Disketten und zwei Schreibmaschinen werden konfisziert.
31. Mai:Die Geschäftsführerin der Agentur Oriente Press, Rafaela Lassalle, wird von mehreren Mitgliedern der Wach- und Schutzorganisation, die dem Innenministerium untersteht, beleidigt und bedroht.
31. Mai:Joaquín Torres Alvarez wird vor seiner Haustür zusammengeschlagen. Unter den etwa 15 Angreifern werden Mitglieder der Staatssicherheit erkannt. Bereits 1996 war Joaquín Torres mehrmals verhört und im Juli für drei Tage inhaftiert worden.
2. Juni:Polizisten wollen in der Wohnung von Tania Quintero Atúnez, Cuba Press, einen Computer sicherstellen, den sie aber gar nicht besitzt.
12.-18. Juni:Juan Carlos Céspedes, Leiter der Presseagentur Libre Oriental (APLO), wird im Staatsicherheits-Gefängnis von Santiago de Cuba festgehalten. Er soll seine Quellen nennen, nach denen die von den kubanischen Medien verschwiegene Dengue-Fieber-Epidemie Dutzende Tote gefordert habe.
14. Juni:Mirtha Leyva, Unabhängige Presseagentur Kubas (APIC), wird zusammen mit ihrem Ehemann von der politischen Polizei ohne Angabe von Gründen verhaftet und bis zum nächsten Morgen festgehalten.
18. Juni:Jesús Zuniga, APIC, wird in Havanna von der politischen Polizei für ein Verhör einige Stunden festgenommen.
23. Juni:Hector Peraza Linares, stellvertretender Leiter von Habana Press, wird verhaftet und sitzt seitdem im Staatssicherheitsgefängnis von Pinar del Rio ein. Bisher ist unbekannt, ob, wann und warum Anklage erhoben wird.
10. Juli:Nicolas Rosario Rosabal, Korrespondent in Santiago de Cuba von Habana Press, wird verhaftet. Nach fünf Tagen im Gefängnis der Staatssicherheit wird er freigelassen.
11. Juli:Lorenzo Paez Nuñez, Korrespondent des Unabhängige Pressebüro Kubas (BPIC), wird wegen Beleidigung und Verleumdung der Polizei in einem Schnellverfahren ohne Anwalt zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Tags zuvor war er wegen "Falschinformation" über eine Auseinandersetzung zwischen Polizisten und jungen Leuten auf einem Erntefest inhaftiert worden.
16. Juli:Luis Lopez Prendes, BPIC, wird zwei Tage lang festgehalten, seine Ausweispapiere erhält er nach der Entlassung nicht zurück.
28. Juli:William Cortéz, Cuba Press, wird festgenommen. Er ist noch immer im Gefängnis der Staatssicherheit von Pinar del Río inhaftiert.
13. August:Efrén Martínez, ebenfalls Cuba Press, teilt seitdem das gleiche Schicksal.
12. August:Raúl Rivero, Leiter und Gründer von Cuba Press, wird wieder einmal festgenommen. Sein Haus wird durchsucht, das gesamte Archiv beschlagnahmt. Rivero ist wegen seiner journalistischen Tätigkeit mehrfach verwarnt worden. Seiner Mutter hatte die Polizei gesagt, Rivero solle seine Tätigkeit einstellen oder Kuba verlassen. Am 15. August kam Rivero wieder frei.
16. August:Marvin Hernández Monzón, Cuba Press, wird in Cienfuegos festgenommen und von der Staatssicherheit vernommen, aber am selben Tag wieder freigelassen.
17. August:Seitdem darf Bernardo Arévalo Padrón von Linea Sur 3, den Ort Agua de Pasajeros in der Provinz Cienfuegos nicht verlassen. Er muß dort seinen Prozeß abwarten, der ihm drei Jahre Haft wegen "Vermittlung von Informationen ins Ausland" einbringen kann.
18. August:Ramón Alberto Cruz Lima, Leiter der Nachrichtenagentur Pátria, wird in seiner Heimatstadt Ciego de Avila inhaftiert. Man bittet seine Frau, ihm Medikamente für eine Woche zu bringen, da der Journalist unter Bluthochdruck leidet. Bereits am 22. Juli war er zusammen mit Lázaro Lazo, ehemaliger Leiter von Habana Press, festgenommen worden. Man verbot ihm, die Stadt zu verlassen und seine Agentur weiterzubetreiben.

In all diesen Fällen hat Reporter ohne Grenzen bei Fidel Castro protestiert, die Freilassung der gefangenen Journalisten und ein Ende der willkürlichen Verhaftungen von unabhängigen BerichterstatterInnen gefordert.

Siehe auch:
Action - Free Hector Peaza! (Internet Petition)

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