Rundbrief 17, Juni 1997ROG Homepage
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Mexiko:

Zwei Morde in drei Wochen

Am 2. Juni wurde die Leiche von Leonicio Pintor García, Korrespondent der Tageszeitung El Sol in Chilpancingo (Hauptstadt von Guerrero) am Fluß Ajolotero entdeckt. Er wies Folterspuren an Nase, Knien und Thorax auf und war offensichtlich über die Erde geschleift worden, bevor man ihn in den Fluß warf.

Knapp 14 Tage zuvor war Jesús Bueno León ermordet aufgefunden worden. Der Direktor der lokalen Wochenzeitung Siete Dias in Chilpancingo war mit einem Schuß in den Kopf getötet worden. Zwei Tage zuvor hatte man das Auto des Journalisten in Brand gesteckt. Seine Frau veröffentlichte nach seinem Tod den Brief, den er für den Fall geschrieben hatte, daß ihm etwas "aufgrund einer Auseinandersetzung mit hohen Regierungsfunktionären zustoße". Vier weitere mexikanische Journalisten, Nidia Marín von der Tagezeitung Excelsios, Miguel Perez von der Tageszeitung Reforma, Juan García sowie ein Pressefotograf von Excelsios, wurden von der Leibwache Präsident Ernesto Zedillos während der Einweihung einer Brücke am 4. Juni heftig angegriffen. Einer der Journalisten, Juan García, erlitt einen Kieferbruch. Zudem haben sich mehrere andere Journalisten über Übergriffe der Präsidentengarde während dessen Reise Ende Mai/Anfang Juni in den Staat Chihuahua (im Norden Mexikos) beschwert.

Doch nicht nur Journalisten werden bedroht, angegriffen und ermordet, sondern auch führende Vertreter von Menschenrechtsorganisationen und Menschenrechtsverteidiger; internationale Beobachter wurden des Landes verwiesen. Insgesamt gibt die Situation der Menschenrechte in Mexiko Anlaß zu tiefer Sorge. Trotz der Regierungsdeklaration, in der die Einrichtung eines Büros von seiten der Staatsanwaltschaft zugesagt wird, um gegen Menschenrechtsverletzungen vorzugehen, hat ein solches Büro seine Arbeit nie aufgenommen. Die Täter können weiterhin damit rechnen, nicht verfolgt zu werden.

Das Internationale Sekretariat hat in mehreren Protestbriefen die Angriffe gegen die Journalisten verurteilt sowie die Aufklärung der Morde und die Bestrafung der Täter gefordert.

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