Rundbrief 17, Juni 1997ROG Homepage
zurückArchivIndexVolltextsuchezurück

Iran:

Prozeß gegen Faradsch Sarkuhi

Am Dienstag, dem 24. Juni, erklärte der Chef des iranischen Justizwesens, Ayatollah Mohammad Yasdi, bei einer Pressekonferenz in Teheran, der Prozeß gegen den iranischen Journalisten und Schriftsteller Faradsch Sarkuhi werde bald beginnen - wegen "Spionage für das Ausland" und "versuchter illegaler Auseise". Dagegen teilte Sarkuhis Bruder Ismail dem persischen Programm von BBC mit, der Prozeß habe bereits am Montag, dem 23. Juni, begonnen. Sarkuhi, 49, Chefredakteuer der Literaturzeitschrift Adineh war nach amtlichen Angaben zusammen mit seinem Bruder Ismail Anfang Februar beim "Versuch der illegalen Ausreise" verhaftet worden. Während sein Bruder entlassen wurde, blieb Sarkuhi an unbekanntem Ort in Haft. Zuletzt hat er sich am 28. Mai telefonisch bei seiner im Iran lebenden Mutter gemeldet: "Ich werde in zehn Tagen vor Gericht gestellt!"

Anfang Juni appellierten in Frankreich auf Initiative von ROG die Chefredakteure von Le Monde, Libération und La Croix-L'Evénement an den neugewählten iranischen Staatspräsidenten Mohammad Chatami, Faradsch Sarkuhi freizulassen. ROG hatte sich bereits direkt nach den Wahlen mit einem Brief an Chatami gewandt: "...Während des Wahlkampfs haben Sie sich zugunsten von Meinungs- und Pressefreiheit sowie der Menschenrechte geäußert. Zudem genoß die Presse während Ihrer Amtszeit als Minister für Kultur und islamische Erziehung eine bis dahin nicht gekannte Freiheit im Iran. Wir bitten Sie daher, Ihren Einfluß geltend zu machen, um die sofortige und bedingungslose Freilassung Sarkuhis zu bewirken."

In einem am 2. Januar in Deutschland veröffentlichten Brief hatte Sarkuhi die Vermutung geäußert, der Iran wolle ihn im Zusammenhang mit dem "Mykonos"-Prozeß als Druckmittel benutzen. Er berichtete, nach seinem "Verschwinden" im November und Dezember letzten Jahres im Iran festgehalten und gefoltert worden zu sein. Die iranischen Behörden hatten dagegen behauptet, Sarkuhi sei in Deutschland gewesen.

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ zurück | Homepage | Aktuell | Archiv | Rundbrief 17 | Volltextsuche | weiter ]

© Reporter ohne Grenzen e.V.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/