Rundbrief 17, Juni 1997ROG Homepage
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Indonesien:

Freie Märkte - freies Wort?

In Burma unterdrückt die Militärjunta jede oppositionelle Stimme, fördert aber die Öffnung ihres Marktes. In Indonesien schließt das Regime kritische Journalisten von jeder Berichterstattung aus oder steckt sie dafür ins Gefängnis, lädt aber ausländische Investoren herzlich ein. In Hongkong kündigen die künftigen Machthaber aus Peking die Einschränkung von Bürgerrechten an und bekunden gleichzeitig den Wunsch, daß die Geschäfte weiter gut gehen mögen. - Anlaß für die ROG-Mitglieder in Frankfurt, sich mit dem Verhältnis von wirtschaftlichem Aufschwung vieler asiatischer Länder und dem Stand der Freiheitsrechte ihrer Bürger zu befassen. Bei der Podiumsdiskussion mit dem Titel "Freie Märkte - freies Wort?" diskutierten der indonesische Journalist und Soziologe Hendra Pasuhuk, Philipp Graf von Walderdorff, beim Deutschen Industrie- und Handelstag für internationale Kontakte zuständig, und Dr. Peter Traub von der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung. ROG-Mitglied Brigitte Spitz, Nachrichtenredakteurin der Frankfurter Rundschau mit Schwerpunkt Südostasien, moderierte.

Der Behauptung von Walderdorffs, wonach es "einfach unmöglich" sei, einen freien Markt zu schaffen, ohne die persönlichen Freiheitsrechte auszudehnen, widersprachen nicht nur Pasuhuk und Traub auf dem Podium, sondern auch einige der rund 35 BesucherInnen der Veranstaltung im Frankfurter Kulturzentrum "Palais Jalta". Bei der regen Diskussion wurden zahlreiche Gegenbeispiele genannt. So etwa Singapur, das zwar als "Wirtschaftstiger" gilt, aber trotz des immensen Aufschwungs "nur einen sehr geringen Grad menschlicher Freiheitsrechte" erreicht hat (Traub). Und in Indonesien habe die kritische Berichterstattung über ein deutsch-indonesiches Geschäft - den Kauf von 39 ehemaligen NVA-Kriegsschiffen - 1994 zu verschärften Repressalien gegen unabhängige Journalisten und Medien geführt, betonte Hok An von "Imbas", der Menschenrechtsorganisation südostasiatischer BürgerInnen. Mit der These vom zwangsläufigen "Wandel durch Handel", das wurde an diesem Abend deutlich, machen es sich Vertreter der Wirtschaft, vor allem aber der Politik, zu leicht, wenn sie der wirtschaftlichen Kooperation mit autoritären Regimen in Asien das Wort reden.

B.S.

Die Podiumsdiskussion fand in Kooperation mit der Hessischen Landeszentrale für Politische Bildung statt.

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