Rundbrief 17, Juni 1997ROG Homepage
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Argentinien:

Mordfall Cabezas - organisiertes Verbrechen?

Vier Monate nach dem Mord an dem argentinischen Fotografen José Luis Cabezas am 25. Januar (s. Rundbrief Nr. 16) versicherte der Justizminister, die Ermittlungen "kommen täglich voran". Das hat allerdings keineswegs zur Festnahme der Hintermänner geführt.

Der Industrielle Alfredo Yabran, über dessen angebliche Verstrickungen in einen nationalen Mafiaring Cabezas, Mitarbeiter der Wochenzeitung Noticias, recherchiert hatte, bestritt am 23. Mai jegliche Verwicklung in den Fall. In den Telefonaten vor und nach dem Mord zwischen seinem Leibwächter und dem Ex-Polizisten Gustavo Prellezo sei es nur um Wachschutz für Yabrans Haus gegangen.

Prellezo ist einer der sechs Tatverdächtigen, darunter ein weiterer ehemaliger Polizist, die seit dem 15. Mai in Untersuchungshaft sitzen. Er wird von vier Mithäftlingen beschuldigt, Cabezas erschossen zu haben. Bereits am 12. April hatte nach Angaben der argentinischen Tageszeitung Clarin einer der unmittelbar nach dem Mord Festgenommenen den Ex-Polizisten Prellezo als Mörder beschuldigt. Er selbst sei dafür angeworben worden, "einen Fotografen zu verprügeln", der über Verbrechen korrupter Polizeibeamter in Buenos Aires recherchierte.

Die Drohungen und Angriffe auf Journalisten reißen nicht ab. Die Vereinigung der argentinischen Pressemitarbeiter in Buenos Aires (UTPBA) veröffentlichte Ende April insgesamt 70 Übergriffe seit dem 25. Januar. Joaquin de Souza vom Radio La Voz del Montiel (Provinz Entre Rios), mußte mit Kopfverletzungen in einem Krankenhaus behandelt werden. Am 25. April stahlen Unbekannte das gesamte Material von Radio Nueva Generación in San Martin (Provinz Buenos Aires). Pablo Zabaleta, Korrespondent der Tageszeitung La Arena in Realicó (Provinz La Pampa), wurde von Mitgliedern der Stadtverwaltung Larroudé angeblich mit den Worten bedroht: "Du wirst auch ein Cabezas!"

"Deinen Neffen könnte etwas zustoßen", drohten anonyme Anrufer am 5. Juni der Schwester von Antonio Fernando Llorente, Mitarbeiter beim argentinischen Fernsehen Kanal 13. Llorente, der in Dolores (200 km südlich von Buenos Aires) im Fall Cabezas recherchierte, solle aus der Stadt verschwinden. Der Journalist hat erklärt, er werde auch weiterhin daran arbeiten, daß der Mord an seinem Kollegen vollständig aufgeklärt werde. bap/EvG

An der Fotokampagne im Internet, die Reporter ohne Grenzen zusammen mit der argentinischen Tageszeitung Clarin und dem französischen Provider photographie.com nach dem Mord initiiert hat, beteiligen sich 100 Fotografen, darunter auch deutsche, die unserem Aufruf zur Solidarität gefolgt sind. Sie unterstützen mit ihrem Foto die Petition an den argentinischen Präsidenten, alles dafür zu tun, damit die Täter und ihre Auftraggeber nicht ungestraft bleiben. Näheres in der Geschäftsstelle!

Die Fotoseiten sind zu finden unter:

http://www.calvacom.fr/rsf
http://www.photographie.com
http://www.clarin.com/tapa.html

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