Rundbrief 16, April 1997ROG Homepage
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Rußland:

Obskurer "Medien-Präsenz"-Preis für Boris Jelzin

Am 17.4. erhielt der russische Staatspräsident Boris Jelzin in Baden-Baden den obskuren "Deutschen Medienpreis", gestiftet von "Media Control", einer Firma des Kanzler-Freundes Karlheinz Kögel zur (quantitativen) Medienanalyse. Jelzin erhielt diesen Preis für seine "registrierte Medien-Präsenz", nicht etwa für seine Verdienste um die Freiheit der Medien.

Aus diesem Anlaß forderte Reporter ohne Grenzen in einer Pressemitteilung die Wiederaufnahme der Ermittlungen durch die russischen Behörden in allen Fällen von Mord, Kidnapping und "Verschwinden". Denn bisher tun sie praktisch nichts für die Aufklärung der Morde an JournalistInnen und Medien-Mitarbeitern in Rußland. So hat der Krieg in Tschetschenien - seit der russischen Intervention im Dezember 1994 - 16 Journalistinnen und Journalisten das Leben gekostet, zehn wurden nachweislich wegen ihrer Veröffentlichungen, in Ausübung ihres Berufes, ermordet, allein vier im letzten Jahr. Mindestens acht Reporter sind seitdem verschwunden. Am 5. März d.J. wurden vier, am 15. März zwei weitere russische Journalisten in Grosny gekidnappt.

Der Mord an der russischen Journalistin Nadjeschda Tschajikowa, Mitarbeiterin der Moskauer Wochenzeitung Obschaja Gaseta, mag als Beispiel dienen: Die Leiche der Journalistin war am 30. März 1996 etwa 20 km südlich von Grosny gefunden worden - man hatte sie auf die Knie gezwungen und dann mit einem Genickschuß getötet. Am 19. März hatte sie in einem Artikel russischen Streitkräften Plünderungen vorgeworfen. Die Behörden schoben die Schuld auf tschetschenische Separatisten und stellten die Ermittlungen ein. So recherchierte die Obschaja Gaseta selbst. Obwohl Hinweise auf eine Beteiligung des russischen Nachrichtendienstes gefunden wurden, hat die Familie der Journalistin bis heute nicht die Wahrheit erfahren.

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