Rundbrief 16, April 1997ROG Homepage
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Kamerun:

Maulkorb vor den Wahlen

Seit dem 22. Januar ist Eyoum Ngangue im Zentralgefängnis "New Bell" in Douala inhaftiert. Das Gericht befand den Journalisten der unabhängigen Tageszeitung Le Messager und Mitherausgeber ihrer satirischen Wochenbeilage Le Messager Popoli am 3. Oktober letzten Jahres in einer Berufungsverhandlung wegen "Beleidigung des Staatspräsidenten und der Mitglieder der Nationalversammlung" sowie wegen "Verbreitung falscher Informationen" für schuldig und verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis - zusätzlich zu der bereits verhängten Geldbuße. Anlaß: ein regierungkritischer Artikel sowie zwei satirische Comicstrips zur geplanten Verfassungsreform.

In derselben Verhandlung wurde auch der Chefredakteur von Le Messager, Pius Njawe, wegen des gleichen "Delikts" zu sechs Monaten Gefängnis zusätzlich verurteilt. Während Ngangue noch bis zum 22. Januar auf freiem Fuß blieb, wurde Njawe schon am 29. Oktober verhaftet, am 15. November aber auf Anordnung des Obersten Gerichtshofes unter Auflagen freigelassen. Beide Journalisten haben Rechtsmittel eingelegt.

In Kamerun haben die Verstöße gegen das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit im letzten Jahr erheblich zugenommen. Die strafrechtliche Verfolgung von Journalisten soll offenbar die kritische Presse mundtot machen, insbesondere vor den Parlamentswahlen, die für März vorgesehen waren, aber auf den 17. Mai verschoben wurden. Im Oktober steht zudem die Präsidentschaftswahl an.

Schon Mitte März veröffentlichte das Internationale Sekretariat auf seinen Internet-Seiten die inkriminierten Zeichnungen mit einer Petition an Kameruns Präsident Paul Biya. Gefordert wird die sofortige und bedingungslose Freilassung Eyoum Ngangues: massenhaft "elektronische" Unterschriften erwünscht!

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