Rundbrief 16, April 1997ROG Homepage
zurückArchivIndexVolltextsuchezurück

Argentinien:

Gerechtigkeit für José Luis Cabezas

Am 25. Januar dieses Jahres fand man in der Nähe von Pinamar (Provinz Buenos Aires) die Leiche des argentinischen Pressefotografen José Luis Cabezas: die Hände mit Handschellen auf dem Rücken gefesselt, mit einem Einschuß in der rechten Schläfe, Auto und Leiche in Brand gesteckt.

Cabezas, verheiratet und Vater von drei Kindern, arbeitete für die argentinische Wochenzeitschrift Noticias.1994 deckte er in seinen Reportagen die Verwicklung von Polizisten in das Attentat gegen den Dachverband der argentinischen Juden, AMIA, auf, das mehr als 100 Tote und Verletzte forderte. Mehrfach prangerte er die Korruption der Polizei in Buenos Aires an. Zuletzt recherchierte er im Nobelbadeort Pinamar über angebliche Verwicklungen des Industriellen Alfredo Yabrán in einen nationalen Mafiaring.

Einige Tage nach dem Mord wurden fünf Verdächtige festgenommen. Doch internationale Beobachter wie die argentinische Bevölkerung zweifeln an deren Schuld. Nach einer Umfrage der Zeitschrift Noticias vom 22. Februar glauben drei Viertel der Argentinier, daß die Polizei von den Mordabsichten wußte. Noch mehr sind der Meinung, daß die wirklichen Täter und ihre Hintermänner ungestraft davonkommen, obwohl inzwischen 14 Polizisten wegen nachlässiger Ermittlungen vom Dienst suspendiert wurden. Dieser Mord erinnert sehr an die Praktiken der berüchtigten Todesschwadronen der "Antikommunistischen Allianz Argentiniens" während der Militärdiktatur von 1976-1983. Doch heute, 14 Jahre später, sind die Argentinier nicht gewillt, die offensichtlich professionelle Liquidierung eines unbequemen Fotojournalisten schweigend hinzunehmen.

Unter dem Motto "Wir vergessen Cabezas nicht!" gingen in Buenos Aires Zehntausende von Menschen auf die Straße. Auf unzähligen Plakaten in der ganzen Stadt, auf Schildern und Transparenten fordern sie: "Ohne Gerechtigkeit keine Demokratie!" Mehr als 500 Organisationen, Oppositiosgruppen, Gewerkschaften und die berühmten "Mütter der Plaza de Mayo" (die Aufklärung über das Schicksal von 30.000 "Verschwundenen" fordern) riefen zu Protestaktionen auf, die am 25. Februar in einer landesweiten Schweigeminute und einem Protestmarsch durch die Innenstadt gipfelten.

"Wir werden Cabezas nicht vergessen!"

Unter diesem Titel initiierte Reporter ohne Grenzen eine Kampagne im Internet. Zusammen mit dem französischen Provider Photographie.com rufen wir Fotografen weltweit zur Solidarität mit den argentinischen Journalisten auf. Wir fordern sie auf, sich mit einem Foto, das ihre Trauer und ihren Protest gegen den Mord an Cabezas ausdrückt, der folgenden Petition anzuschließen:

"Wir Fotografen fordern eine vollständige Aufklärung des Mordes an dem argentinischen Fotografen José Luis Cabezas. Präsident Carlos Menem hat versprochen sich dafür einzusetzen, daß dieses Verbrechen nicht ungestraft bleibt. Daher bitten wir ihn, alles in seiner Macht Stehende zu veranlassen, damit die Urheber und Hintermänner dieser Tat verurteilt werden."

Seit dem 19. März werden die Fotos auf den websites von Reporters sans Frontières und Photographie.com sowie der argentinischen Tageszeitung Clarín veröffentlicht und täglich aktualisiert.

Ein "Mosaik" aus Fotos in Briefmarkengröße verschiebt sich alle 30 Sekunden. Beim Vorbeistreichen mit dem Cursor erscheint der Name des Fotografen, ein Doppelklick öffnet das Foto großformatig. Mit dabei Henry Cartier Bresson, Sebastião Salgado, und viele andere, wie Fotografen von FreeLens.

http://www.rsf.fr
http://www.photographie.com
Elektronischer Fotoversand (500 Kb max.; 72 dpi):
rsf@calvanet.calvacom.fr
info@photographie.com

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ zurück | Homepage | Aktuell | Archiv | Rundbrief 16 | Volltextsuche | weiter ]

© Reporter ohne Grenzen e.V.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/