ROG-HomepageVolltextsucheRundbriefe ArchivRundbrief 15zurückweiter

Rundbrief Nr. 15, Februar 1997

ROG

Iran:

Ein Lebenszeichen von Faradsch Sarkuhi

Das Bangen um den iranischen Journalisten und Schriftsteller Faradsch Sarkuhi geht weiter. Am 3. November auf dem Teheraner Flughafen "verschwunden" und nach 47 Tagen auf äußerst merkwürdige Art dort wieder aufgetaucht (wir berichteten im Rundbrief 14/96), "verschwand" Sarkuhi am 27. Januar wieder, außerdem auch sein Bruder Ismail. Nach offizieller iranischer Darstellung wurden die beiden bei einem Fluchtversuch festgenommen. Wegen "illegaler Auswanderung" soll ihnen der Prozeß gemacht werden. Mittlerweile konstruieren die Behörden scheinbar weitere Anklagepunkte wie Spionage für Deutschland, Kontakt zur illegalen linken Opposition und Ehebruch - darauf steht im Iran die Todestrafe.

Sarkuhi hatte diese Vorgehensweise schon befürchtet. In der kurzen Zeit, die er auf freiem Fuß war, gelang es ihm, seiner Frau einen Brief zukommen zu lassen. Darin beschreibt er, wie der iranische Geheimdienst ihn unter Folter zu Falschaussagen zwang, außerdem die Pläne und Methoden, kritische Schriftsteller im Mykonos-Prozeß als Druckmittel auf die Bonner Regierung einzusetzen.

Der Brief sollte nach Sarkuhis Willen veröffentlicht werden, falls er tot aufgefunden oder wieder verhaftet werde. Am 30. Januar erschien der Text in der "tageszeitung". Es ist kaum vorstellbar, unter welchem körperlichen und seelischen Druck der Journalist und Schriftsteller steht: "Ich weiß nicht, was ihr nächster Schritt sein wird. Werden sie mich wieder festnehmen, oder bringen sie mich um und stellen meinen Tod als Selbstmord hin; oder nehmen sie mich erneut fest und zwingen mich zu weiteren 'Interviews' oder zu anderen Handlungen, oder tun sie etwas, was ich nicht vorraussehen kann? Letzten Endes aber werden sie mich dort im Gefängnis umbringen und so tun, als hätte ich Suizid begangen..."

Eine Delegation der SPD-Bundestagsfraktion sagte ihre für Mitte Februar geplante Iranreise ab. Aus dem Auswärtigen Amt verlautete, die Bundesregierung werde ihre Bemühungen um Sarkuhi intensiv (!) fortsetzen. Gemeinsam mit Medien, anderen Menschenrechtsorganisationen und prominenten Persönlichkeiten tun wir alles, was uns möglich ist, um Sarkuhis Leben zu schützen und fordern seine sofortige und bedingungslose Freilassung.

HS

Letzte Meldung:

Am 20. Februar meldete sich Sarkuhi telefonisch aus einem Gefängnis bei seiner in Berlin lebenden Ehefrau Farideh (laut taz). Dies ist das erste Lebenszeichen seit dem 27. Januar.

Weitere Informationen:
Faradsch Sarkuhi - seit sechs Wochen verschwunden (Rundbrief 14, Dezember 1996)

HS

Weiter Informationen:
Faradsch Sarkuhi - seit sechs Wochen verschwunden

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ Homepage | Suche | Aktuell | Volltextsuche | Archiv | Rundbrief 15 | zurück | weiter

© Reporter ohne Grenzen eV.
Webmaster: Martin Mair


ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/