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Rundbrief Nr. 14 (Dezember 1996)

ROG

Serbien:

Stadt-Land-Gefälle für freie Presse

Als in den ersten Dezembertagen die großen Demonstrationen gegen das Milosevic-Regime stattfanden, war Radio B 92 mit von der Partie. Das führte dazu, daß Sendungen mehrfach unterbrochen wurden; drei Tage lang war B 92 sogar ganz "abgehängt" und verboten (ebenso der kleine Studentensender Index ).

Radio B 92 ist eines der wenigen unabhängigen serbischen Medien, dabei allerdings auf das Belgrader Stadtgebiet beschränkt. Täglich 17 Stunden Musik und Information werden für 290.000 bis 1 Million Hörer ausgestrahlt (laut einer Schätzung während der Demonstrationen).

B 92 beschäftigt 15 Festangestellte und bis zu 100 freie Mitarbeiter, so Direktor Sasa Mirkovic. Genauso wie die kleine Nachrichtenagentur Beta News Agency legen die Mitarbeiter Wert darauf, "auch von der Opposition unabhängig zu sein". Dies als ein Markenzeichen für professionellen Journalismus.

Die serbische Regierung habe ein perfides System der Pressebeschränkung aufgebaut, sagt Radomir Diklic von Beta News. Sender erhalten keine landesweite Frequenz, Zeitungen fehlt das notwenidige Papier, Anzeigenkunden mißliebiger Medien werden unter Druck gesetzt, und Privatisierungen werden einfach für null und nichtig erklärt (so bei Studio B im Februar 1996).

Mit Vreme und Nin existieren nur zwei unabhängige Wochenzeitungen. Nasa Borba ist die einzige freie überregionale Tageszeitung. Sie ist mit drei Dinar 30% teurer als die meistgelesene Regierungszeitung Politika. Bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 300 bis 500 Dinar (ca. 90 - 170 DM) kostet Pressefreiheit somit richtig Geld.

Ein Stadt-Land-Gefälle zeigt sich in der Präsenz von freier Presse. Die Landbevölkerung kann sich meist nur über das staatliche Fernsehen informieren, "das alles sendet, nur nicht die Wahrheit" (O-Ton Diklic). Von daher sind die Ergebnisse der letzten serbischen Kommunalwahlen nicht verwunderlich. Ökonomen erwarten für die nächsten jahre eine Medienkonzentration, gerade auch, wenn die Presse freier wird. Zur Zeit werdern viele Companies , z.B. B 92 und Beta News - auch über EU-Programme und Stiftungen mitfinanziert.

Volker Born

Der serbische Präsident Milosevic hat unter Beweis gestellt, daß ihm nicht nur das allgemeine Wahlrecht gleichgültig ist, sondern auch die Pressefreiheit. Daher hat das Internationale Sekretariat von "Reporter ohne Grenzen" 50.000 Francs an Radio B 92 und die Nachrichtenagentur Beta News überwiesen, um sie bei ihrer unanbhängigen Berichterstatung zu unterstützen.

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