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Rundbrief Nr. 14 (Dezember 1996)

ROG

Iran

Faradsch Sarkuhi: seit sechs Wochen verschwunden

Mitte Dezember wandte sich Faride Zebardschad, die Ehefrau des verschwundenen iranischen Schriftstellers und Journalisten aus Angst um das Leben ihres Ehemannes in einem offenen Brief an die Bundesregierung, der in der "taz, die tageszeitung" veröffentlicht wurde. Die deutsche Sektion wie auch das Internationale Sekretariat von "Reporter ohne Grenzen" beteiligt sich an der von der taz initiierten Kampagne, um seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen und sein Leben zu schützen.

In einem Brief an seine Frau hatte er wenig vorher selbst seine Befürchtungen geäußert, vor allem, da er am 28. August zusammen mit fünf weiteren Schriftstellern von Agenten des iranischen Geheimdienstes nach einem Essen beim Kulturreferenten der deutschen Botschaft in Teheran festgenommen und verhört worden war. In diesem Zusammenhang gab es auch Todesdrohungen gegen ihn.

Nachstehend der Brief, den ROG an Bundeskanzler Kohl geschickt hat:

"Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

die deutsche Sektion der Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen ist in großer Sorge um den iranischen Schriftsteller und Chefredakteur der Literaturzeitschrift Adineh, Faradsch Sarkuhi.

Wie Ihnen bekannt ist, wollte Herr Sarkuhi am 3. November von Teheran aus nach Hamburg fliegen, um seine Familie zu besuchen, die in der Bundesrepublik politisches Asyl erhalten hat. Wie Sie wissen, ist Herr Sarkuhi nie in Deutschland angekommen, obwohl iranische Behörden behaupten, er sei Passagier einer Maschine nach Hamburg gewesen. Faradsch Sarkuhi ist vor mehr als sechs Wochen auf dem Flugplatz von Teheran "verschwunden", - und es gibt keinerlei Lebenszeichen von ihm oder Hinweise auf seinen Aufenthalt.

Reporter ohne Grenzen teilt die Befürchtungen von Farkuhis Ehefrau Faride Zebardschad, daß sein Verschwinden im Zusammenhang mit dem "Mykonos"-Prozeß stehen und der iranische Journalist und Schriftsteller als Geisel benutzt werden könnte. Sein Verschwinden birgt die Gefahr, daß er mißhandelt, gefoltert und vielleicht sogar getötet wird.

Im Namen unserer Mitglieder appellieren wir an Sie, Ihren Einfluß geltend zu machen, um Faradsch Sarkuhis Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Wir bitten Sie, mit all Ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die Regierung der Islamischen Republik Iran einzuwirken, um seine sofortige und bedingungslose Freilassung zu erwirken."

Wir bitten alle unsere Mitglieder, sich an dieser Kampagne mit Briefen an den Bundeskanzler, den Außenminister und das Auswärtige Amt oder auch an die iranische Regierung zu unterstützen.

Informationen und Adressen bei der Geschäftsstelle erfragen.

Weitere Informationen:
Ein Lebenszeichen von Faradsch Sarkuhi (Rundbrief 15, Februar 1997)

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