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Rundbrief Nr. 12 (August 1996)

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Ex-Jugoslawien:

5. Todestag von Egon Scotland

Am 26. Juli 1991 wurde Egon Scotland, Korrespondent der "Süddeutschen Zeitung", in der Nähe von Glina von einem Scharfschützen ermordet. Er starb, weil er sich Sorgen um eine junge Kollegin machte und bei der Suche nach ihr in ein kroatisches Dorf kam, in dem serbische Freischärler waren. Der Tod des 42-jährigen deutschen Journalisten erschütterte die Öffentlichkeit. Zum erstenmal wurde deutlich, daß es keine "Unbeteiligten" mehr gibt, daß Journalisten genauso Opfer gezielter Todesschüsse werden können wie Zivilisten und daß ein Presseausweis nicht mehr schützt.

ROG nahm den 5. Todestag des deutschen Journalisten zum Anlaß, um an all die zu erinnern, die Opfer dieses Krieges geworden sind. Wir wissen von 45 Journalisten, die darin umgekommen sind: 1991 starben in Slowenien und Kroatien 18 Reporter, 1992 verloren 11 in Bosnien-Herzegowina ihr Leben, im Jahr danach 8, 1994 starben dort 6 Journalisten und im letzten Jahr kamen in Bosnien-Herzegowina und in Kroatien 2 Radioreporter um.

1996 soll der Frieden wiederhergestellt, menschliche und politische Grundrechte verwirklicht und demokratisch gewählt werden. Eine wichtige Voraussetzung dafür sind Presse- und Meinungsfreiheit. Doch die sind bei weitem nicht verwirklicht, wie ROG in ihrem Untersuchungsbericht über Banja-Luka, Mostar, Sarajewo und Tuszla nachgewiesen hat.

Medien werden staatlich kontrolliert, zensiert, müssen ihr Erscheinen einstellen. Journalisten erhalten Todesdrohungen per Telefon,werden von "Unbekannten" angegriffen oder ermordet, polizeiliche Ermittlungen bleiben ergebnislos. In Sarajewo, Tuszla und Zenica, wo mehr Pressefreiheit verwirklicht ist, sehen sich private Sender mit unerklärlichen Stromausfällen konfrontiert, Telefonleitungen brechen "zufällig" zusammen. Sich frei von einem Landesteil zum anderen zu bewegen, ist gefährlich oder fast unmöglich; für ausländische Journalisten existiert in der Republik Srpska eine "Schwarze Liste"...

ROG fordert die Verwirklichung von Presse- und Meinungsfreiheit, entsprechend dem Dayton-Abkommen sowie internationalen Konventionen. Ohne den freien und gleichen Zugang aller gesellschaftlichen Gruppen zu den Medien wird es keine freien Wahlen geben.

Der Untersuchungsbericht vom Mai 1996 ist in der Geschäftsstelle erhältlich.

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