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Rundbrief Nr. 11 (Juli 1996)

ROG

Tschetschenien:

Prozeß um den Tod Natalja Aljakinas

Am 15. Mai begann vor dem Militärgerichtshof in Lermontow das Verfahren gegen den Soldaten, der für den Tod der Journalistin verantwortlich gemacht wird. Mit einer Pressemitteilung und Briefen an den russischen Ministerpräsidenten Tschernomyrdin sowie Bundesaußenminister Klaus Kinkel erneuerte ROG die Forderung nach einer objektiven Untersuchung der Erschießung der Focus"-Korrespondentin am 17. Juni 1995. Die Ermittlungen, die die tödlichen Schüsse auf Fahrlässigkeit (ein aus Versehen" ungesichertes Maschinengewehr) zurückführen, konnten die Befürchtung nicht ausräumen, daß auch dieser Fall ungeklärt bleibt.

Seit Beginn des Krieges in Tschetschenien im Winter 1994 kamen dort 16 Journalisten in Ausübung ihres Berufes ums Leben. So fand man im tschetschenischen Dorf Gekhi die Leiche der russischen Journalistin Nadescha Tschaikowa, gefesselt, mit Spuren von Schlägen, in den Hinterkopf geschossen. Am 7. Mai wurde Nina Jefimowa, Mitarbeiterin der tschetschenischen Zeitung "Wiedergeburt" aus ihrem Haus entführt und mit mehreren Kopfschüssen ermordet. Die Leiche der 25-Jährigen wurde in einem Vorort von Grosny gefunden. Beide Journalistinnen hatten über Korruption in Tschetschenien berichtet.

In einem Antwortschreiben Kinkels vom 6. Juni an den Vorstand heißt es dazu:

"Ein Vertreter unserer Botschaft, der am ersten Verhandlungstag dem Prozeß beiwohnte, hat den Eindruck gewisser Verfahrensmängel gewonnen. Die Botschaft wird - wie auch Vertreter westlicher Medien - am Prozeß weiter beobachtend teilnehmen, um unser Interesse an einem rechtsstaatlichen Verfahren zu demonstrieren und den russischen Behörden deutlich zu machen, daß der Prozeß vor den Augen der westlichen Öffentlichkeit geführt wird. Die aktuellen Anforderungen an die Botschaft im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl (...) und die große Entfernung zwischen Moskau und Lermontow setzen der Botschaftspräsenz allerdings Grenzen. Umso wichtiger wäre es, daß Vertreter westlicher Medien anwesend sind. Ich möchte Sie und Reporter ohne Grenzen daher nachdrücklich ermutigen, daß Sie sich auch Ihrerseits in diesem Sinne einsetzen."

Weitere Informationen zu Aljakina:
Rundbrief Nr. 7
Rundbrief Nr. 12

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