ROG-HomepageVolltextsucheROG Rundbriefe ArchivRundbrief 6Vorherige Seite

ROG Rundbrief
Nr.6, August 1995

ROG

Südafrika:

Pressefreiheit ohne Pressevielfalt

Die Mission von "Reporters sans frontières" im Juni 1995 nach Südafrika stand im Zeichen des Rugby-Fiebers. Der Slogan "Eine Mannschaft, eine Nation" hat die Antiapartheid-Demonstrationen abgelöst. Das Wunder des friedlichen Wandels am Kap hat den Journalisten zunächst "la vie en rose" beschert. Fast alle Gesprächspartner, die wir im Lauf einer Woche zur Pressefreiheit befragten, äußerten sich positiv. Nach jahrzehntelanger Zensur und Selbstzensur erleben Südafrikas Medien eine Zeit nie gekannter Freiheiten.

Doch seit die Europäische Union und andere Financiers von anerkannten Antiapartheidblättern wie "South", "Work in Progress" oder "Wyre Weekblad" ihre Unterstützung einstellten, sind viele dieser alternativen Zeitungen vom Markt verschwunden. Nur die "Weekly Mail" überlebte, indem sie sich mit dem britischen "Guardian" zusammentat.

Hingegen wächst die Zahl privater Radiosender rasant. Die Lizenzvergabe der Unabhängigen Rundfunkbehörde (Independent Broadcasting Authority - IBA) hat das Monopol des staatlichen Senders SABC gebrochen. Die Zahl der Rundfunksender hat sich mehr als verdoppelt, betrieben von schwarzen Townships ebenso wie von nationalistischen Buren bei "Radio Pretoria".

"Das generelle Problem für die Medien ist der Mangel an Professionalität", klagt der bekannte Journalist und Direktor des "Institute for Advancement of Journalism", Allister Sparks.

Dabei braucht Südafrika in dieser Zeit des Übergangs vom Apartheidstaat zur Regenbogennation Journalisten, die diesen Prozeß professionell begleiten. Aber Journalisten am Kap verdienen miserabel, und der Beruf hat ein schlechtes Prestige. Die Redaktionen sind zudem überwiegend "weiße" besetzt. Es ist schwierig, schwarze Kollegen in Zeitungen und Sender zu holen. Viele der Erfahrenen unter ihnen sind mit dem Machtwechsel in besser bezahlte öffentliche Ämter abgewandert. Andere beginnen mangelhaft ausgebildet in diesem Beruf. Es fehlt vor allem an ausreichenden Englischkenntnissen, um in der überwiegend englischsprachigen Presse publizieren zu können. Damit die Medien des neuen Südafrika so vielfältig und vielsprachig werden wie seine Bevölkerung, ist sicherlich Unterstützung aus Europa nötig.

Der ausführliche Bericht über die Mission wird nach Fertigstellung auch auf deutsch publiziert.

Gemma Pörzgen

> empfehlen Sie diese Seite weiter!


[ Homepage | Suche | Rundbriefe Archiv | ROG Rundbriefe ArchivRundbrief 6
Vorherige Seite |
© Reporter ohne Grenzen ev.
Webmaster: Martin Mair

ACHTUNG: Archiv - Diese Seiten werden nicht mehr aktuallisiert!
Die aktuelle Website von "Reporter ohne Grenzen" finden Sie unter http://www.reporter-ohne-grenzen.de/